Verräter fanden Zuflucht in Kleve

Verräter fanden Zuflucht in Kleve

Bild (NRZ, Andreas Daams, 03.12.2019): Der Vortrag in der Hochschule Rhein-Waal stieß auf großes Interesse: Niederländische Nationalsozialisten fanden während der Kriegszeit in Kleve Unterschlupf.

Der Nimweger Historiker Jan Brauer berichtete in der Hochschule Rhein-Waal über niederländische Nationalsozialisten, die in Kleve während des Krieges wohnten

Auke Damhof ließ es sich gut gehen. Er lebte in einer Villa an der Klever Gruftstraße, die damals Hermann-Göring-Straße hieß. Das Geld stammte von seiner Frau, was ihn nicht daran hinderte, anderen Frauen nachzusteigen. 1972 starb er in Kleve. Gerade mal ein Jahr war er in den Niederlanden in Haft. Obwohl er eine der Hauptfiguren im Aufbau einer Kampftruppe war, die aus Niederländern bestand, die in Deutschland wohnten. Kleve – eine Stadt der Spione und niederländischen Vaterlandsverräter?


Spannender Vortrag

Jan Brauer, Historiker aus Nimwegen, berichtete in der Hochschule Rhein-Waal nun über die „fünfte Kolonne“ in Kleve. Ein spannender Vortrag mit tiefen Einblicken in die NS-Zeit, völlig zu Recht außerordentlich gut besucht. So erfuhr man, dass schon im Mai 1933 der Führer der niederländischen NSB, einer faschistischen Partei nach deutschem und italienischem Vorbild, in Goch vor großem Publikum sprach. Doch weil die Veranstaltung in einen Tumult ausartete, brüllten doch Vertreter einer anderen niederländischen faschistischen Partei den Sprecher nieder, wurden fortan derartige Veranstaltungen verboten. Gut gebrauchen konnte man die niederländischen Nazis in Deutschland aber doch. „Mitte der 30er Jahre wohnten in Kleve etwa 2500 Niederländer, von denen 150 bis 200 NSB-Sympathisanten waren“, berichtete Brauer. Einige davon nahmen sogar beim Angriff auf die neutralen Niederlande am 10. Mai 1940 teil.
Diese Täter waren zugleich Opfer einer Irreführung. Denn sie glaubten, nach der Besetzung der Niederlande dort als Polizisten eingesetzt zu werden. Tatsächlich sollten sie der Waffen-SS beitreten.

Nazi-Training im Reichswald

Eingefädelt hatte dies der deutsche Militärgeheimdienst mit Hilfe von Julius Herdtmann. Der war NSB-Leiter in Deutschland. Die Partei unterhielt nach deutschem Vorbild eine Wehrabteilung, die sie „Sport und Spiel“ taufte. Man beachte die Anfangsbuchstaben. Auke Damhof trainierte die Klever Gruppe im Reichswald.
Im März 1940 erläuterte Herdtmann den Spiel- und Sport-Gruppen in Düsseldorf die Idee, dass sie sich zu Polizisten ausbilden lassen sollten. In geheimen Lagern. Eines davon befand sich in Asperden.
Hier trainierten sieben Spiel-und-Sport-Männer aus Kleve mit weiteren Deutschen und Niederländern, wozu man sie wirklich brauchte. Sie sollten in niederländischen Uniformen die Wachen an den niederländischen Brücken täuschen, so dass die als Gefangenen getarnten deutschen Soldaten die Wachen besiegen und so verhindern konnten, dass die Brücken in Grenznähe gesprengt werden. In Gennep gelang dies auch – die Züge mit deutschen Panzern und Infanteristen konnten ungehindert in die Niederlande rollen. An vielen anderen Brücken klappte das Vorhaben nicht.

Nazi-Reden im Moritzpark

1941 kam der Führer der NSB noch einmal nach Kleve, im Moritzpark spielte der NSB-Musikzug, seiner Rede lauschten fast 1800 Besucher. Von den Sport- und Spiel-Gruppen redete lieber niemand mehr. Auke Damhof machte Karriere, er wurde Bundesleiter der NSB-Wehrabteilung. 1949 verurteilte ihn ein niederländisches Sondergericht zu acht Jahren Gefängnis, doch wurde er durch eine allgemeine Amnestie schon 1950 wieder entlassen. Julius Herdtmann hingegen wurde 1951 hingerichtet.

 

Quelle: NRZ, Andreas Daams, 03.12.2019