Der neue Kalender für das Klever Land ist da

Der neue Kalender für das Klever Land ist da

Foto: Barbara Mühlenhoff, Hansi Koepp, Julian Krause, Wiltrud Schnütgen und Rainer Hoymann mit der neuesten Ausgabe des Kalenders für das Klever Land. RP-Foto: van Offern Foto: Markus van Offern (mvo)

Auf 224 Seiten erzählt der „Kalender für das Klever Land auf das Jahr 2022“ Geschichten und Geschichte vom Niederrhein. Von der Rekonstruktion der Monterburg, über das Gocher Kino bis zu Klever Kindern auf Ameland.

Pünktlich zum Weihnachtsfest ist er nun erschienen: Der 72. Jahrgang des Kalenders für das Klever Land auf das Jahr 2022. 224 Seiten stark und wie immer reich bebildert, erzählt er Geschichten und Geschichte aus Kleve – und den Kommunen aus dem Umland. „Zum zweiten Mal in Folge ist der Klevische Verein der Herausgeber, wir sind sehr stolz auf unser Team“, sagt der Vereinsvorsitzende Rainer Hoymann. Zum 26. Mal hat Fritz Poorten das Titelbild gestaltet, abgebildet ist das Belvedere, der Atelierturm des Malers Barend Cornelis Koekkoek.

Der Kalender beginnt mit der Rubrik „Musik, Kunst und Literatur“, Wim van Heutgen berichtet darin über die Reise Albrecht Dürers im November 1520 in die Niederlande, die ihn auch nach Emmerich führte. Ursula Geisselbrecht-Capecki wiederum stellt das Skizzenbuch des Malers Lodewijk Johannes Kleijn vor. Darin taucht nicht nur der Niederrhein, sondern auch – ganz aktuell – das Ahrtal auf. Annette Wozny-Koepp hingegen zeigt ganz modern Fotos der Freiluftgalerie in Goch, die im Sommer durch Streetart-Künstler entstand und langfristig im Stadtbild zu sehen sind.

Was wäre der Kalender aber ohne die Beiträge zur Geschichte des Klever Landes? Barbara Mühlenhoff informiert über die Monterburg bei Kalkar und die virtuelle Rekonstruktion durch Studierende und den Verein Monterburg. „Noch heute hat man von dort einen tollen Blick über die Landschaft, bei gutem Wetter schaut man bis man Duisburg“, sagt Mühlenhoff. Die Burg sei einst sogar größer und zeitweise bedeutender gewesen als die Schwanenburg, belegt ist sie bis ins 12. Jahrhundert. Im 17. Jahrhundert wurde sie geschleift.

Julian Krause untersuchte die Kalender für das Klever Land vor, in und nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Sicht des Historikers. Außerdem gibt er in einer kurzen Chronik die 400-jährige Geschichte der Kleinen Kirche an der Böllenstege in Kleve wieder. Norbert Kohnen widmet sich dem schicksalhaften Leben der Gräfin Maria von Nassau-Dillenburg auf Haus Bergh bei ’s-Heerenberg.

Zwei Beiträge kommen von Michael Lehmann: Er schreibt über einen erschütternden Suizid in Uedem aus dem Jahr 1743. Außerdem beschreibt Lehmann das neue Uedemer Stadtmodell, das die Stadt um 1700 rekonstruiert – anders als etwa das Modell aus Kleve, das die heutige Innenstadt abbildet. Kulinarisch der etwas anderen Art wird es mit Heinrich Dyckmanns, dessen Familie in Kleve das Bäckerhandwerk betrieb und später eine Brauerei hatte. Er stellt eine niederrheinische Waffeleisenzange aus dem 18. Jahrhundert vor. Hansi Koepp wiederum befasst sich mit der Geschichte des Gocher Kinos, die Ende des 19. Jahrhunderts mit Wanderkinos begann. Übriges: Koepp hat so viel recherchiert, dass er seine Ergebnisse in zwei Teile abbilden muss. „Der nächste erscheint dann im kommenden Kalender“, sagt er.

Wilhelm Diedenhofen beschreibt in seinem Text über die Schwanenburg die Rekonstruktionspläne des Burgenforschers Bodo Ebhard von 1909 und das Aussehen des Schwanenturms in unterschiedlichen Epochen. Der Emmericher Stadtarchivar Mike Mura berichtet von der Rheinischen Jahrtausendfeier, die 1925 in Emmerich stattfand. In ihren Akten stieß Beate Sturm, Leiterin des Kreisarchivs, unterdessen auf eine seltsame Amtsführung: Gewitterstimmung in Kalkar! Johannes Kruck war auf ganz anderer Mission unterwegs: auf Spurensuche nach zurückgelassenen Bahnrelikten auf der Strecke zwischen Xanten und Kleve, von denen es noch eine Menge gibt. Der Beitrag lädt durchaus dazu ein, sich selbst zu Fuß oder per Rad auf die Strecke zu begeben und die Augen offen zu halten

RP-Fotograf Markus van Offern zeigt in doppelseitigen Bildern das Kleverland von oben und Johannes Jacobs erinnert an den Materborner Pfarrer Richard Heinrichs, der vor 100 Jahren starb.

Auch Erinnerungen kommen im Kalender nicht zu kurz: Bernhard Siebers berichtet aus dem Leben seiner Großmutter und setzt es zu den historischen Ereignissen ihrer Lebenszeit in Beziehung: das letzte Viertel des 19. und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dass Klever Kinder schon vor 100 Jahren nach Ameland fuhren und wie sich die Ferienfahrten entwickelt haben, erfährt der Leser aus Dieter Bullacks Beitrag.

Es gibt Gedichte von Maria Diedenhofen und Mundart von Haki van Hezik, darüber hinaus das Kalendarium, die Chronik des Kleverlandes und eine Übersicht der in den vergangenen zwölf Monaten erschienenen Literatur.

Der Kalender für das Klever Land auf das Jahr 2022 ist in einer Auflage von 2500 Exemplaren erschienen, wie Wiltrud Schnütgen sagt. Erhältlich ist er im Internet unter www.aschendorff-buchverlag.de und in jeder Buchhandlung zum Preis von 14,90 Euro. ISBN 978-3-402-22437-3.

 

Quelle: RP Online, Ludwig Krause, 20.11.2021