Kalender für das Klever Land 2021 – Der Klevische Verein ist neuer Herausgeber!

Kalender für das Klever Land 2021 – Der Klevische Verein ist neuer Herausgeber!

Als die Preußen handgreiflich wurden

Der Kalender für das Klever Jahr erscheint in diesem Jahr zum 70. Mal. Ein kleines Jubiläum mit vielen spannenden Beiträgen – unter anderem mit Bildern des früheren NRZ-Fotografen Carl Weinrother

Auf dem Buchrücken ist nun die ein stilisierter Schwanenturm abgebildet [das Logo des Klevischen Vereins], ansonsten fügt sich der neue „Kalender für das Klever Land auf das Jahr 2021“ nahtlos in eine inzwischen siebzigjährige Kalender-Geschichte ein. Die gäbe inzwischen selber ein gutes Thema ab als historisches Fundstück, wie man es Jahr für Jahr im bewährten Format neu entdecken kann.

„Wir halten einerseits die geschätzte Tradition aufrecht, andererseits modernisieren wir den Kalender schrittweise“, sagt Stadtarchivar Bert Thissen vom Redaktionsteam. Dem gehören außerdem Hans Joachim Koepp, Wiltrud Schnütgen, Barbara Mühlenhoff und seit diesem Jahr auch der Historiker Julian Krause an. Modern ist die ansprechende Gestaltung und die Einbindung der zahlreichen Abbildungen und Fotografien – da macht es schon Spaß, einfach nur die 224 Seiten durchzublättern.

Aber besser, man liest auch die Artikel. „Ich wundere mich jedes Jahr, was wieder jemand ausgräbt“, sagt Wiltrud Schnütgen. Da gibt es zum Beispiel einen „Reisbericht“ aus dem Jahr 1740, in dem niederländische Touristen in Kleve einigen preußischen Soldaten die Hotelzimmer wegschnappen, woraufhin die kurzerhand das Hotel zerlegen. Oder, ganz zeitgemäß, eine Abhandlung über die Emmericher Stadtprozession zwischen Pest und Corona – Seuchenjahre im Spiegel eines religiösen Ritus.

Dass im Kalender der gesamte Nordkreis Kleve von Emmerich bis Goch vorkommt, ist den Redakteuren wichtig. Kirchturmdenken ist in Sachen Geschichte ohnehin unsinnig. Auf dem Cover findet man daher mit dem Rathaus von Kalkar auch gleich eines der schönsten historischen Gebäude im Umkreis.

Anlass für die präsentierten Geschichten sind oft zufällige Beobachtungen oder Entdeckungen. So hat Marlene Zedelius im belgischen Taxandriamuseum in Turnhout ein Porträt der Maria von Oranien-Nassau-Simmern entdeckt und kurzerhand ihre Klever Vergangenheit erforscht.

Bert Thissen erhielt eine Anfrage aus den Niederlanden, ob er etwas zu zwei Porträts wisse, auf deren Rückseite auf Kleve hingewiesen wird – und entwickelt daraus ein Who-Is-Who der Klever Patrizier im 17. Jahrhundert und ihrer komplexen Versippungen. Julian Krause bringt eine Schauergeschichte, die man 1913 anlässlich der Errichtung eines Honigkuchenwerks an der Ackerstraße in einer Zeitkapsel deponierte.

Wilhelm Diedenhofen widmet sich dem „grotesken Gebälk im Audienzsaal der Schwanenburg“, Ralf Hendrix informiert über den Künstler Jupp Brüx. Barbara Mühlenhoff klärt über das Bach-Collegium Hochelten auf.

So geht es weiter quer durch die Geschichte, traditionell gibt es auch kurze Beiträge in Mundart sowie eine Chronik des Klever Landes für die letzten zwölf Monate – vielleicht einmal Fundgrube für künftige Redakteure und Mitarbeiter des Heimatkalenders.

So wie die Unfallfotografien des damaligen NRZ-Fotografen Carl Weinrother aus den 50er- und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts heute tiefe Einblicke in die Normalität einer Zeit geben, die längst zur Historie geworden ist.

Landrätin Silke Gorißen jedenfalls zeigte sich hocherfreut über die diesjährige Ausgabe des Kalenders, die sie nun zum ersten Mal präsentieren konnte. Sie verfolgt den Kalender seit vielen Jahren. „Ich komme mit dem Lesen aber meistens gar nicht so weit, weil mein Schwiegervater mir den Kalender dann abluchst“, sagte sie. Da hilft dann wohl nur ein heimliches Zweitexemplar. Der Kalender ist im Buchhandel erhältlich und kostet 14,90 Euro. [Pressemitteilung vom 30.11.2020]

[Unterstützen Sie bitte den lokalen Handel. Dort bekommen Sie den Kalender sofort und ohne Lieferkosten. Eine Online-Bestellung ist z. B. beim Aschendorff-Verlag möglich.]

 

Quelle (Text und Titelbild): NRZ, Andreas Daams, 30.11.2020