Die Kaskade bleibt in Kleve ein Aufreger

Die Kaskade bleibt in Kleve ein Aufreger

Der Klevische Verein ärgert sich über die Arbeiten an der Kaskade. Die Sanierung sei lieblos erfolgt. Die Stadt betont das Thema Sicherheit.

Der Klevische Verein ist mit den bisherigen Arbeiten an der Kaskade nicht einverstanden. In einem aktuellen Brief an die Verwaltungsspitze macht der Verein auf einige Probleme aufmerksam, die mit den bisherigen Arbeiten noch nicht beseitigt worden sind. So wurde an der rechten Seite der Kaskade Boden angefüllt und gesät, was vermutlich einem Starkregen nicht standhalten werde, so der Klevische Verein.

Ferner stört es den Verein, dass bei den Arbeiten die einstige Symmetrie des Bauwerkes nicht beachtet worden ist. Die Böschungsfüße würden dieses Gleichmaß nicht mehr widerspiegeln. „Das ist nicht zuletzt dem Status Alter Tiergarten-Park und dem Landschaftsschutz geschuldet. Auf der linken Seite der Kaskade ist die Spundwand einigermaßen eingegrünt oder überwuchert, so dass sie nicht mehr zu sehen ist. Erschreckend ist jedoch die rechte Seite. Hier ragt die Spundwand über einen Meter sichtbar über die aufgeschüttete Böschung. Ein Unding im Landschaftsschutzgebiet“, so der Klevische. Die gesamte bislang durchgeführte Maßnahme würde dokumentieren, wie lieblos man mit diesem Bauwerk umgehe.

Klevischer Verein beklagt die Uferanschüttung

Durch die Bodenanschüttung sei der Prinz-Moritz-Weg auf einen Meter Breite reduziert worden und durch am Ufer stehende Erlen eingeengt. „Zur Herstellung einer homogenen Wegeführung ist das Fällen der Erlen verbunden mit einer Uferanschüttung und Sicherung von Nöten. Ebenso muss der Weg gefahrlos begangen werden können. Der Kaskadenauslauf ist zur Kermisdahlseite gespundet. Eine Fußsicherung der Spundwand mit Wasserbausteinen ist nicht sichtbar, so dass bei Starkregenabflüssen die überschießenden und herabstürzenden Wassermassen zu Auskolkungen am Bauwerk führen“, heißt es in dem Brief des Vereins.

Die Stadt Kleve teilt der NRZ mit, dass für die Durchführung die Sicherung des Hangs höchste Priorität hatte. Dies sei gutachterlich begleitet und mehrfach dargestellt und begründet worden. „Die angesprochene Symmetrie konnte nicht beibehalten werden. Für die schweren Baugeräte musste die obere Spundwand eingebaut werden, die sich heute nicht mehr verändern lässt. Der darunter befindliche Böschungsbereich wurde durch die nachfolgenden Starkregenereignisse mehrfach weggespült“, so die Verwaltung. „Selbst lose aufgetragene Wasserbausteine wurden durch die Wassermassen in den Kermisdahl gespült. Erst das Aufbringen des Betons hat die Bausteine zu einer homogenen Schutzschicht werden lassen.“

Die Schräge sei nachträglich mit einem im Untergrund verankerten Netz und Substrat versehen worden. Dies soll das Abspülen der Vegetationsschicht verhindern, erklärt die Stadt ihr Vorgehen. „Wir gehen davon aus, dass durch Rankengewächse der sichtbare Teil der Spundwand bereits in kurzer Zeit überwuchert sein wird. Die Anregung die wasserseitige Spundwand durch geeignete Natursteine zusätzlich zu sichern und den optischen Eindruck zu verbessern, werden wir jedoch nochmals prüfen“, kündigt man seitens der Stadt Kleve an.

Die NRZ wollte von der Stadtverwaltung auch wissen, warum das Wasserabflussrohr der Kaskade in seinem bisherigen Durchschnitt belassen wurde und ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, mit einem größeren Rohr die Abflussmengen zu erhöhen. Die Stadt antwortete: „Der vorhandene Durchlass im Beruhigungsbecken am Fuß der Kaskade bedarf zunächst keiner Anpassung, da die Beruhigungsfunktion der Wasserbewegungen bei normalen Regenereignissen ausreichend gewährleistet ist. Größere Wassermengen werden durch das Überlaufbauwerk abgeführt und in den Kermisdahl geleitet.“

Spundwand zeigt deutliche Versprünge

Ferner wollte die Redaktion wissen, ob der Deckbeton auf der alten Kaskade noch ausgebessert wird. Dieser ist an mehreren Stellen abgeplatzt. Auch die gesetzte Spundwand am unteren Ende der Kaskade wurde nicht als gerade Wand eingesetzt, sondern zeigt deutliche Versprünge auf. Wir wollten wissen, ob dies noch ausgerichtet wird. Ferner ist festzustellen, dass zur Sicherung von Personen an der äußeren Spundwand eine Absturzsicherung angebracht wurde, um im Falle einer Überflutung des Beckens den Gefährdungsbereich zu sichern.

Die NRZ fragte nach, warum das Geländer auf dem Betonsockel nicht weiter über die Spundwand verläuft, da die Fallhöhe ins Wasser hier ähnlich hoch ist. Eine konkrete Antwort auf diese Fragen gab es in der städtischen Stellungnahme nicht.

Der Klevische Verein wünscht sich außerdem, dass einige Bäume gefällt werden, um den Fußweg zu sichern. Die Stadt teilt jedoch mit, dass dem Fällen von Bäumen im Uferbereich nicht zugestimmt werden kann. „Die Zugangssituation war bereits vor dem Schadenereignis beengt und uneben. Die Bäume im Uferbereich stellen durch ihr Wurzelwerk eine Befestigung dar und tragen zur Hang- und Ufersicherung insgesamt bei.“

[Hinweis Klevischer Verein: Das obige Bild zeigt deutlich, warum eine Baumfällung notwendig ist. Hierbei ist die Behinderung des Fußweges nicht sekundär, vielmehr hebelt dieser Baum bei starkem Wind mit seinem Wurzelsystem den Hang auf. Es ist also auch aus Gründen der Hang- und Ufersicherung eine Fällung notwendig.]

Stadt rechnet mit weiteren Arbeiten

Die Stadtverwaltung geht gleichwohl davon aus, dass in den kommenden Jahren weitere Arbeiten an der Kaskade durchgeführt werden müssen. „Die Kaskade ist für die in den letzten Jahrzehnten gestiegene Anzahl von Regenwasseranschlüssen und die akuten Starkregenereignisse aktuell nicht ausgelegt. Daher wird derzeit an einem neuen Konzept gearbeitet, die Kaskade zu entlasten. Es ist damit zu rechnen, dass auf Grundlage des Abwasserbeseitigungskonzeptes und weitergehender Untersuchungen zu Starkregenereignissen weitere Maßnahmen in den kommenden Jahren durchgeführt werden müssen“, so die Verwaltung.

Quelle: NRZ, Andreas Gebbink (Text & Bilder), 16.08.2019