Kaskade: Schön ist anders

Kaskade: Schön ist anders

Bildunterschrift: Der Damm, der den Kermisdahl teilte, ist weg, der Fuß der Kaskade aber immer noch sehr betonlastig.

Es hat sich einiges getan an der Kaskade im Sternbusch. Rechts und links des historischen Backsteinbaus, wo 2017 die Wassermassen herabstürzten und Teile des Hangs mitnahmen, bemüht sich die Natur, die offenen Wunden im Hang zu überwuchern. Unten an den neuen Spundwänden wurde Erde angefüllt und erstes Grün ist sichtbar. Schön beim Blick von oben: Der Damm ist weg und das Wasser des Kermisdals leuchtet blau herauf. Aber auch ein im 50. Jahr nach Woodstock gesprühtes „love“ lacht einen von unten herauf an. Mitten in den dicken Betontrog hat der Sprayer die Schrift gesetzt. Um den Trog herum: Beton pur. Steigt man von der Aussichtsplattform über dem Kaskadenwerk herab, merkt man: Der Weg über den borkigen Beton ist mühselig, kaum gangbar für ältere Menschen. Der Betontrog trägt nicht nur im Becken ein „love“, sondern hat in seiner massiven Art die Sprayer der Stadt eingeladen, darauf zu malen. Schön ist anders.

Das bemängelt auch der Arbeitskreis Kermisdahl-Wetering im Klevischen Verein in einem offenen Schreiben an die Stadt. Sie hoffe, so Gerlinde Semrau-Lensing, dass aus dem gefühlten Klever Gartenfrust doch noch eine Klever Gartenlust werden könne dort unten an der Kaskade. „Ein historischer Garten ist ein mit baulichen und pflanzlichen Mitteln geschaffenes Werk, an dem aus historischen und künstlerischen Gründen öffentliches Interesse besteht“, mahnt sie.

Die Mängelliste der Gartenexperten des Klevischen Vereins ist lang: „Die Kaskade ist symmetrisch aufgebaut, so dass auch die Böschungsfüße diese Symmetrie widerspiegeln müssen“, schreibt der Verein. Links von der Kaskade sei die Spundwand einigermaßen eingegrünt oder überwuchert. Erschreckend sei jedoch, so der Verein, die rechte Seite. „Hier ragt die Spundwand mehr als einen Meter sichtbar über die aufgeschüttete Böschung hinaus. Ein Unding im Landschaftsschutzgebiet“, heißt es. Durch die Bodenanschüttung der rechten Seite sei der Prinz-Moritz-Weg auf einen Meter Breite reduziert und durch am Ufer stehende Erlen eingeengt. Da müssten die Erlen gefällt werden. „Ebenso muss der Weg gefahrlos begangen werden können“, so Lensing.

Der Kaskadenauslauf sei zur Kermisdahlseite hin mit Spundwänden versehen. „In diesem Bauwerksbereich beträgt die Höhendifferenz zwischen Wasserspiegel und Überlaufsicherung rund 1,50 Meter. Eine Absicherung mit Geländer wie zum Beispiel im Tiergarten ist dringend geboten“, schreibt der Arbeitskreis. Tatsächlich ist an der Kaskade lediglich das Betonbauwerk durch Industriebögen gesichert, die mit Beton aufgefüllten Flächen haben keine Sicherung. Und dann treibt Semrau-Lensing noch die Frage um, wo die von Bürgern gestifteten Kugeln und die nach historischem Vorbild gefertigten Geländer geblieben sind.

„Die Durchführung der Sicherungsmaßnahmen, die gutachterlich begleitet wurden, hatte höchste Priorität, wie mehrfach dargestellt und begründet wurde“, reagiert Stadtsprecher Jörg Boltersdorf auf das Schreiben. Die angesprochene Symmetrie könne deshalb nicht beibehalten werden. Es sei zudem davon auszugehen, dass durch Rankgewächse der sichtbare Teil der Spundwand bereits in kurzer Zeit überwuchert sein werde. „Die Anregung, die wasserseitige Spundwand durch geeignete Natursteine zusätzlich zu sichern und den optischen Eindruck zu verbessern, werden wir jedoch nochmals prüfen“, so Boltersdorf. Um die Begehbarkeit des aufgebrachten Betons zu verbessern, seien die größten Unebenheiten beseitigt worden, so der Stadtsprecher. Es bleibe aber festzustellen, dass keine Wegequalität wie auf anderen befestigten Wegen hergestellt werden könne. Bäume könnten nicht gefällt werden. „Die Kugeln, die die Kaskaden zierten, sind leider während des Starkregenereignisses verschollen. Wir vermuten, dass sie in den Kermisdahl gespült wurden“, sagt Boltersdorf.


INFO

Defekter Kanal ließ Hang abrutschen

Baujahr:

Je nach Interpretation wurde die Kaskade in den 1920er oder 1950erJahre gebaut. Das Regenwasser stürzt hier 20 Meter in die Tiefe in den Kermisdahl.

Hangabbruch:

Im Mai 2017 ist Bei Starkregen ein Teil des Hangs abgerutscht. Grund war ein defekter Kanal.

Kosten:

Bis jetzt wurden 1,5 Millionen Euro in die Sicherung investiert.

 

Quelle (Bild und Text): RP Online, Matthias Grass, 06.08.2019