Kleve hatte eine Kaskade

Kleve hatte eine Kaskade

Kommentar von Herrn Matthias Grass im Lokalteil der Rheinischen Post vom 5. Januar 2019.

Kleve ist Gartenstadt mit Parks von europäischer Bedeutung. Das scheint die Stadtverwaltung bei der Sanierung der Kaskade vergessen zu haben. Der historische Bau hat seine monumentale Optik verloren.

Mit Stolz stellte vor Jahren der damalige Tiefbauamtsleiter Willibrord Jansen die frisch sanierte Brücke zwischen Kurhaus und Forstgarten vor. Lange war die Brücke gesperrt gewesen. Zu gefährlich, sie zu begehen. Gefahr in Verzug. Jansens Amt ging behutsam und mit Fingerspitzengefühl an die Aufgabe. Es sanierte das historische Bauwerk und ersetzte es eben nicht durch einen sicheren und bestimmt viel billigeren Betonsteg. Die Klever und ihre Gäste wird’s noch Jahrzehnte freuen.

Kaskade nach den Sicherungsmaßnahmen.
Foto: Rainer Hoymann, 05.01.2019

Mit Stolz können Bernhard Klockhaus und sein Fachbereich Tiefbau die Sanierung der Kaskade nicht präsentieren. Ihre Aktion unten im Alten Tierpark lässt jegliches Fingerspitzengefühl vermissen. Sicher, der Vergleich mit der Brücke hinkt – aber er zeigt, dass man auch bei der Kaskade über eine dem historischen Bauwerk und dem Park gerecht werdende Sanierung hätte nachdenken und sie zwingend hätte diskutieren müssen. Es hätte sich gelohnt: Jetzt hat das einst beeindruckende Bauwerk mit einem fürchterlichen Betonbau an seinen Füßen seine Optik verloren, von der stattlichen Mauer, an der man einst vorbeispazierte, blieb ein Mäuerchen.

Die Sicherheit gehe vor, argumentiert Jürgen Rauer als zuständiger Dezernent. Das ist ein klassisches Totschlagargument. Er bezieht sich auf Gutachten. Man fragt sich, ob den Gutachtern zur Sicherung des Bauwerks und des Hangs auch die Auflage gemacht wurde, das Bauwerk wie ein Denkmal zu behandeln, so dass es in seiner Optik erhalten bleibt. Eher nicht. Denn die Stadt argumentiert, dass der Bereich eben nicht unter Denkmalschutz stehe. Noch nicht. Dass dann die ausführende Firma ein Feld hinterließ, als seien Berserker zu Werke gegangen, ist ein Schlag ins Gesicht all derer, die sich seit Jahren ehrenamtlich um diesen Park kümmern. Die sich aufs Fingerspitzengefühl der Verwaltung verlassen haben und jetzt tief enttäuscht sind. Ihr Wunsch, dass der neue Betonklotz weg muss, wird wohl unerfüllbar bleiben.

Jetzt kann man nur noch hoffen, dass es mit Kosmetik gelingt, das Gröbste zu übertünchen, dass die Zeit gnädig ist mit dem Eingriff. Und dass das Ganze auch wirklich den Hang hält. Einen beeindruckenden, historischen Kaskaden-Bau hat Kleve jedenfalls nicht mehr. Stolz kann keiner sein.

Quellen:

Text: Rheinische Post, Matthias Grass, 05.01.2019

Foto: Mike Browne, 10.08.2017