Die Klever Geschichte „ist wie Geo-Caching“

Die Klever Geschichte „ist wie Geo-Caching“

Rainer Hoymann ist neuer Vorsitzender des Klevischen Vereins für Kultur und Geschichte. Der will auch künftig in Kleve kräftig mitmischen

In der Schule hat Rainer Hoymann, Jahrgang 1962, die Weltgeschichte kennengelernt. Leistungskurs Geschichte am Konrad-Adenauer-Gymnasium, damals, Anfang der 80er-Jahre. Sehr interessant fand er das, so sehr, dass er auch immer wieder Bücher dazu gelesen hat. Irgendwann stieß er dann auf die lokale Geschichte. Spuren des Klever Herzogtums findet man allerorten, außerdem spiegelt sich die Weltgeschichte in der Heimatgeschichte. „Das ist wie Geo-Caching“, sagt Hoymann, „nur dass unsere Vorfahren die Steine vor Hunderten von Jahren gelegt haben.“ Darüber fand er zur Familiengeschichte. Väterlicherseits kann er seine Ahnen bis 1550 zurückverfolgen. „Über Warbeyen sind die allerdings nie herausgekommen“, schmunzelt er.

Beruflich ist Rainer Hoymann Bankkaufmann. Auch wenn er zwischendurch mal nach London, Frankfurt oder in die Schweiz hätte gehen können, so blieb er doch seinen Ahnen treu und verließ Kleve nicht. Im Gegenteil. Seit ungefähr 15 Jahren macht er sich im Klevischen Verein für Kultur und Geschichte nützlich. Wie das kam? „Ich bin mal in den Schwanenturm gegangen, habe mir die Zeitung ‚Rund um den Schwanenturm‘ gekauft, worauf man mich fragte, ob ich nicht Mitglied des Vereins werden wolle.“ Er wurde. Jetzt ist er neuer Vorsitzende des Vereins, den man getrost als eine der Lebensadern Kleves bezeichnen kann.

„Man stelle sich nur vor, was es ohne den Verein alles nicht gäbe“, sagt Hoymann. Keine Luisenbrücke. Keine Birnenalleen. Kein Aussichtspunkt Kiek in de Pot. Keinen geöffneten Schwanenturm. Keine Beleuchtung der Schwanenburg. Keine Beflaggung. Keinen Klaviersommer. Und das sind nur einige der vielen Aktivitäten des Vereins. Hoymann: „Letztlich wird das alles von 650 Mitgliedern getragen.“

Das Schöne ist: Die Aktivitäten des Vereins bleiben nicht einfach stehen. Sie gehen weiter. Hoymann und sein neues Vorstandsteam wollen die Öffentlichkeit noch stärker auf den Verein hinweisen. Dazu gehören demnächst zum Beispiel Kino-Werbespots. Nächstes großes Projekt ist ein stadtgeschichtliches Museum im Schwanenturm. Gerade läuft die Erarbeitung eines Feinkonzepts. Wenn alles gut läuft, rechnet Hoymann mit einer Fertigstellung im Jahr 2020.

Ganz wichtig ist ihm, dass die historischen Gartenanlagen irgendwann von einem Zweckverband getragen werden, dem zum Beispiel Stadt und Kreis Kleve, Gemeinde Bedburg-Hau, Forst und Vereine wie der Klevische Verein angehören. „Die Anlagen sind ein Alleinstellungsmerkmal, man kann sie in vernünftigem Rahmen unterhalten, weiterentwickeln und vermarkten“, ist er überzeugt. „Das müsste bei ein wenig visionärem Willen der Beteiligten doch möglich sein.“ Die Gesprächspartner in den Verwaltungen dürfen sich schon mal freuen: „Ich werde bohren, bis die es nicht mehr hören können.“ Das Rezept war bislang erfolgreich.

Um das alles ordentlich machen zu können, ist Rainer Hoymann auf Teilzeit gegangen und arbeitet nur noch vier Tage pro Woche in der Bank. „Acht Stunden pro Woche Vereinsarbeit, das ist realistisch“, sagt er. Und ein bisschen Zeit fürs Private will er ja auch noch haben: den schönen Garten pflegen, mit dem Hund spazieren gehen, verreisen.

Quelle: NRZ, Andreas Daams, 05.09.2018