Poesie im Schwanenturm

Poesie im Turm!

Nach einer kleinen Sommerpause liest Maria Diedenhofen wieder an jedem zweiten Sonntag im Spiegelturm. Los geht es am 14. Oktober 2018 ab 17 Uhr!

Naturskulptur

Wer fürchtet sich vorm Schwarzen Mann,
so spielten wir als Kinder.
Ein leichtes Grausen focht uns an,
ein Schauderhauch nicht minder,
wenn wir im Dämmerwald uns trafen,
uns müd‘ zu laufen vor dem Schlafen.

Wir stürzten fort, als ging’s ums Leben,
nichts da, nichts gab’s, klein beizugeben.
Wer übrig blieb als starker Mann,
ein neues Spiel mit Lust begann.

Wie wär’n wir wohl ins Herz erschreckt,
wenn damals wir den Mann entdeckt,
der aus dem Baum tritt vor im Park,
kraftstrotzend äugend, grob autark.
Ellbogenstark sein ganzes Streben,
schenkt ihm bei Nacht der Baum das Leben.

Wir Kinder hätten uns ertappt,
zu glauben, dass im Busch er trabt,
zu fangen uns mit Haut und Haar,
doch längst erwachsen, sehn wir klar…

Das heißt, er bleibt ein Phänomen,
das auch, bei klarem Licht besehn,
uns zeigt ein Narrspiel der Natur.
Wer findet’s wo, entdeckt die Spur?
Und suchet nie den Kerl bei Nacht,
da hat er sich davon gemacht…

Maria Diedenhofen, Rund um den Schwanenturm 2015