1.
Einleitung
Vom
Reformer Stein ist gesagt worden, er sei: "am meisten genannt ...
am wenigsten bekannt". Anderseits urteilte der Historiker
Hans-Ulrich Wehler im ersten, 1987 erschienenen Band seiner Deutschen
Gesellschaftsgeschichte sehr kritisch: "Die Bedeutung Steins
ist bisher maßlos überschätzt worden". Es lässt sich
feststellen, dass die Stein-Forscher sich momentan einigermaßen in der
Defensive befinden. Außerdem sehen sie heute in Stein als Reformer eher
den Verwaltungsmann als den Politiker, eher einen Pragmatiker als einen
systematisch denkenden Philosophen. Es ist daher angebracht, den
'Klever' Abschnitt der Beamtenkarriere von Stein genauer zu betrachten
und nach etwaigen prägenden Erfahrungen dieser Zeit zu fragen.
2. Der Weg nach Kleve
Heinrich
Friedrich Karl Freiherr vom und zum Stein wurde im Herbst 1757, heute
vor fast genau 250 Jahren, im elterlichen Schloss zu Nassau geboren. Die
Familie war protestantisch, was insofern von Bedeutung ist, als damit
eine erste Bedingung für die spätere Laufbahn Steins im Dienste des Königs
von Preußen erfüllt war.
Das
adelige Geschlecht gehörte der Reichsritterschaft an, d.h. es
unterstand dem Kaiser unmittelbar, ohne Zwischenschaltung irgendeines Fürsten
oder Landesherrn. Dieser Umstand ist bestimmend gewesen für eine
lebenslängliche Orientierung Steins auf das Reich und seine
Institutionen.
Es
steckt eine gewisse Ironie darin, dass Stein, der zu einer Ikone des
Bildungsbürgertums geworden ist und nach dem etliche Schulen benannt
sind, selbst niemals zur Schule gegangen ist und kein Abitur gemacht
hat. Seine Erziehung hat er von Gouvernanten und anschließend von
Hauslehrern erhalten. Ab Oktober 1773 studierte der damals 16 jährige
Stein dann an der Universität in Göttingen. Hier wurde er als Student
der Jurisprudenz immatrikuliert. Er scheint sich besonders dem
Staatsrecht, der Geschichte und den Finanzwissenschaften gewidmet zu
haben.
Stein
verließ die Universität nach knapp vier Jahren, im Frühling 1777,
ohne akademischen Grad, wohl weil er darauf als Adliger verzichten
konnte. Es folgte die damals übliche Kavaliersreise, die ihn zum
Reichskammergericht in Wetzlar, zum kurfürstlichen Hof in Mainz und im
darauffolgenden Jahr zu verschiedenen Höfen in Süddeutschland sowie
offensichtlich nach Frankreich führte. Diese Reise ist im Sinne einer
Vollendung seiner Erziehung zu betrachten und die Aufenthalte an einigen
Stationen hatten durchaus den Charakter von Praktika.
Am
1. Februar 1780 erteilte der preußische König, Friedrich der Große
Stein die Kammerherrenwürde und wenige Tage später wurde Stein als
Referendar beim preußischen Bergwerksdepartement angenommen, auf
eigenem Wunsch. Ausschlaggebend für diesen Schritt Steins waren 1. der
Ruf Friedrichs des Großen, dessen Staatsführung für damalige Begriffe
ausgesprochen modern war, 2. das Interesse Steins für das
Bergwerkswesen, das damals als Zukunftsbranche (der
Informationstechnologie unserer Zeit vergleichbar) galt, sowie 3. die
Tatsache, dass Stein in der Person des Ministers für das
Bergwerkswesen, Friedrich Anton Freiherrn von Heinitz, einen Mentor
fand, der ihn später auch bis zu seinem Tode gefördert hat.
Als
Referendar befand Stein sich ab 1780 zunächst noch in der Lehre. Anfang
März 1782 trug Minister von Heinitz ihn dann beim König für eine Beförderung
zum Oberbergrat vor und zwei Jahre später, im Februar 1784 wurde ihm
die Direktion der Westfälischen Bergämter und der Mindenschen
Bergwerks-Kommission übertragen, wodurch er mit 27 Jahren erstmals
einen Bergwerksdistrikt selbstverantwortlich leiten konnte. Als
Dienstsitz wurde ihm Wetter an der Ruhr (unweit Hagen) angewiesen.
Es
würde zu weit führen, die weitere Karriere Steins beim
Bergwerksdepartement hier detailliert zu verfolgen. Wichtig ist die
Feststellung, dass die Grundlage für sein Wirken in Wetter die königlich
preußische Bergordnung für Kleve, Moers und Mark aus dem Jahre 1766
war. Diese – zu Kleve bei der Witwe Sitzmann gedruckte – Bergordnung
regelte das Bergwerkswesen nach dem Direktionsprinzip, was beinhaltet,
dass die Betriebsführungskompetenz beim Staat lag. Den Eigentümern der
Bergwerke wurde ihr formelles Eigentumsrecht nicht genommen, aber in der
Frage der Bewirtschaftung hatten sie lediglich ein beschränktes
Mitspracherecht.
Ab
1784 sind auch die ersten direkten Kontakte nach Kleve zustandegekommen.
Stein wurde bereits im Frühjahr zusätzlich zum Mitglied in der märkischen
metallischen Fabriken-Kommission ernannt, mit Sitz und Stimme bei der
Klevischen Kriegs- und Domänenkammer sowie bei deren Märkischen
Kammerdeputation. Für die klevische Kammer erstellte er u.a. im
September 1784 eine Denkschrift zur Kohlelieferung in Kleve-Mark.
3. Kleve: Kammerdirektor, Kammerpräsident
Bei
den nächsten Karriereschritten des Freiherrn vom Stein, die ihn ab 1788
nach Kleve führten, sollte die Klevische Kriegs- und Domänenkammer
eine wichtige Rolle spielen. Diese soll hier deshalb eingangs
vorgestellt werden.
Im
Jahre 1723 war in ganzen Königreich Preußen eine Reorganisation der
Staatsverwaltung vorgenommen worden. Dabei war in Berlin ein
Generaldirektorium errichtet worden, das für die gesamte Innen-,
Finanz- und Heeresverwaltung zuständig wurde. Auf der Ebene der
einzelnen Provinzen wurden diesem Generaldirektorium Kriegs- und Domänenkammern
untergeordnet, die auf ihrer Ebene ebenfalls für diese Ressorts zuständig
waren. Den Kriegs- und Domänenkammern standen die Provinzialregierungen
gegenüber, deren Zuständigkeit sich auf Hoheitssachen, Justiz und
Kultusangelegenheiten erstreckte. Diese Regierungen waren dem
Etatsministerium in Berlin untergeordnet. Daneben gab es dann auf der
provinzialen Ebene noch die alten Hofgerichte.
Die
drei hohen Kollegien, die es um die Mitte des 18. Jahrhunderts in der
Stadt Kleve als Regierungssitz gab, nennt Johan Henrich Schütte in
seinem Buch über die Vergnügungen und Ergötzlichkeiten bey denen Wassern zu Cleve (Amusemens
des Eaux de Cleve), erschienen im Jahr 1748:
1.
Die Landesregierung, "welches Collegium die Königlichen
Hoheits-Sachen, Lehn-, Kirchen-, Ehe-, Criminal etc. Sachen zu versehen
hat";
2.
Die Königliche Kriegs- und Domänenkammer;
3.
"Das Justiz-Collegium und Hofgericht, welches die Processe
derer Unterthanen zu entscheiden hat". Das eigene Hofgericht sollte
übrigens bereits 1749 durch Vereinigung mit der Regierung aufhören zu
existieren.
Die
regionale Zuständigkeit der Kriegs- und Domänenkammer zu Kleve änderte
sich im Laufe der Zeit. Ursprünglich war sie für die bereits seit dem
Ende des 14. Jahrhunderts vereinten Territorien Kleve und Mark zuständig.
Bis 1748 war eine zusätzliche Zuständigkeit für die Grafschaft Moers
hinzugekommen. Ab 1767 erfolgte eine teilweise Verselbständigung der
alten Grafschaft Mark, als eine Kammer-Deputation mit Sitz in Hamm ins
Leben gerufen wurde. Aus diesem Grunde hieß die Kammer zu Kleve später
Kleve-meursische Kriegs- und Domänenkammer.
Organisatorisch
setzte sich die Kriegs- und Domänenkammer in der Hauptsache aus einem
Kammerpräsidenten als Vorsitzenden des Kollegs, zwei Kammerdirektoren
mit je einem Departement und einer Anzahl Kriegs- und Domänenräte mit
Sitz und Stimme im Kolleg zusammen. Außerdem gab es das untergeordnete
Personal der Kammer sowie auf der regionalen und lokalen Ebene Steuerräte,
Schlüter bzw. Rentmeister und später Landräte, die der Kammer
unterstanden.
Die
Kammer war schwerpunktmäßig für das Kriegswesen und die Steuern, bzw.
für das Domänenwesen zuständig, aber hinzu kam eine ganze Reihe
weiterer Zuständigkeiten, die insgesamt die ganze innere
Landesverwaltung einschließlich der Wirtschaftsförderung umfassten.
Dabei
führte die Kammer Regie und übte sie Kontrolle aus. Das erstrebte
Endziel war das Wohl des Staates und des Landes, konkret: eine Erhöhung
der königlichen Einnahmen und eine positive Handelsbilanz. Die Kammer
war somit ein Staatsorgan auf der provinzialen Ebene, das dazu
eingesetzt wurde, im Sinne des aufgeklärten Absolutismus, d.h. mit viel
Staatsdirigismus, die von der bereits erwähnten Wirtschaftslehre des
Merkantilismus formulierten Ziele zu verfolgen.
Im
November 1787 wurde beschlossen, die Märkische Kammer-Deputation, die
seit 1767 als Filiale der Klevischen Kammer existiert hatte, zu
verselbständigen. Die neue Märkische Kammer sollte einen eigenen Präsidenten
erhalten, aber ansonsten in vielerlei Hinsicht weiterhin mit der
Klevischen Kammer verbunden bleiben. Letzteres kam u.a. dadurch zum
Ausdruck, dass bei dieser Gelegenheit der Freiherr vom Stein zum 2.
Kammerdirektor sowohl der Märkischen wie der Klevischen Kammer ernannt
wurde. Ansonsten änderte sich wenig. Stein behielt die meisten seiner
alten Funktionen: er blieb Direktor des Märkischen Bergamtes und der
Metallischen Fabriken-Kommission, auch leitete er weiterhin die
Wasserbaumaßnahmen an Rhein und Ruhr und den Straßenbau in der
Grafschaft Mark. Auch sein Gehalt blieb gleich und er behielt seine
Wohnung zu Wetter weiterhin bei.
Im
darauffolgenden Jahr, 1788, wurde in Kleve die Stelle des 1.
Kammerdirektors bei der Kleve-Meursischen Kammer frei und diese wurde
nun Stein übertragen. Dazu gehörte auch die Funktion als erster
Landtags-Kommissar. Bei dieser Gelegenheit wurde Stein eine
Dienstwohnung in der landesherrlichen Kanzlei zu Kleve zugewiesen. Für
die hatte er jährlich 50 Reichstaler Miete zu zahlen. Stein hatte also
ab jetzt einen Wohnsitz in Kleve und er lässt sich von nun an auch
regelmäßig in der Stadt nachweisen, vor allem im Zeitraum Dezember –
Januar, wenn hier Landtag war.
Im
März 1793, als der bisherige Präsident der Märkischen Kammer, Ledebur,
in Rente gegangen war, ernannte der König Stein zu dessen Nachfolger.
Er sollte dabei u.a. weiterhin 1. Kammerdirektor in Kleve bleiben. Ihm
wurde im sogenannten 'Collegienhaus' zu Hamm die Wohnung des Präsidenten
als zusätzliche Dienstwohnung zugewiesen. Stein war von dieser zusätzlichen
Bestallung nicht begeistert, aber der König versüßte die Pille nur,
indem er Stein am 9. Juni 1793 einen vierwöchentlichen Urlaub nach
Hannover zugestand.
Um
diesen Urlaub hatte Stein nachgesucht weil er heiraten wollte. Seine
Braut war die 15 Jahre jüngere Wilhelmine Gräfin Wallmoden, die er
drei Jahre zuvor kennengelernt hatte. Die Hochzeit fand am 8. Juli 1793
auf dem Gut Heinde der Familie Wallmoden bei Hildesheim statt. Aus
dieser Ehe gingen zwei Töchter hervor.
Mittlerweile
war im Mai 1793 bereits die Entscheidung zur Ernennung Steins zum Präsidenten
in Kleve getroffen worden. Er sollte der Nachfolger von Julius Ernst
Buggenhagen werden, den der König nach Posen zu versetzen gedachte. Da
aber der Koalitionskrieg gegen Frankreich, der 1792 ausgebrochen war, für
viel Unordnung sorgte, wurde entschieden, Buggenhagen noch ein halbes
Jahr in Kleve zu halten. Buggenhagen erhielt den Auftrag, in diesem
halben Jahr "die durch den Krieg entstandenen Angelegenheiten wegen
der feindlichen Contributionen und Lieferungen, Aushebung von Knechten,
Pferden und Recruten" usw. zu regeln und auch für eine
Wiederherstellung des vom Krieg unterbrochenen Handels sowie der
Erhebung der landesherrlichen Gefälle Sorge zu tragen. Stein hatte
jetzt "sein eigentliches Domicilium in Cleve" zu nehmen und
"die Landtagen als Commissarius" beizuwohnen, "um sich
auch in diesen wichtigen Sachen die erforderliche mehrere Routine zu
verschaffen."
Ab
dem 1. Dezember 1793 wurde Stein dann tatsächlich Kammerpräsident in
Kleve, unter Beibehaltung des Kammer-Präsidiums in Hamm. Jetzt stand
ihm die freie Wohnung auf dem Schloss zu Kleve zu. Hier bezog er Ende
1793 die alten herzoglichen Gemächer. Dabei stellte er fest, dass ihr
baulicher Zustand, "von der Art" war, "daß es eine
Haupt-Reparatur erfordert: Die Lage des Schlosses an dem Gehänge einer
Anhöhe, die von einer großen Ebene umgränzt wird, setzt es der ganzen
Würckung der Nord- und Nordwestwinde aus. Die darauf befindliche Zimmer
sind gegen diese Unbequemlichkeit nicht gehörig verwahrt, die Fußboden
sind alt und undicht, die Fenster und Thüren schließen nicht, und die
Decken der Zimmer sind nicht plafoniert. Daher kommt es, dass diese
Zimmer im Winter nicht zu heitzen sind, und daß ihre Bewohner deren
Unbequemlichkeit, der Kälte und des Zugs in einem unerträglichen Grade
ausgesetzt sind." Aus einer späteren Unterlage geht hervor, dass
Stein die Wände verschiedener Zimmer mit Tapeten verkleiden ließ, die
er in Frankfurt besorgte.
Stein
hat vorgehabt, auf der Burg ein naturhistorisches Kabinett einzurichten.
Dazu hatte er seine mineralogische Sammlung, die er ab 1780 angelegt
hatte und zu der u.a. auch Stufen, die er 1787 bei seiner Reise nach
England aus Cornwall mitgebracht hatte, sowie weitere Objekte auf die
Burg bringen lassen. Es war auch bereits ein Sachkundiger mit der
Ordnung nach dem mineralogischen System beauftragt worden. Dieses
Projekt wurde aber durch die französische Invasion unterbrochen.
Stein
nahm sich nach seinem Dienstantritt als Kammerpräsident in Kleve Zeit
um die Provinz und die Menschen kennen zu lernen und war ansonsten mit
Arbeit zugedeckt. Wohl fuhr er im Mai 1794 nach Den Haag, um seine
offenbar gelangweilte junge Frau "ein wenig zu des-ennuiren von
ihrem Aufenthalt in Cleve". Die Arbeit in Kleve hat Stein nur mäßig
gefallen. In einem Schreiben an seinem Freund Reden klagte er:
"Leider existire ich in Papieren, Sie wissen, wie austrocknend und
freudenleer dieses ist – hiezu kommt die Nothwendigkeit des Studiums
der kleinen Dienst- und gesellschaftlichen Verhältnisse." Eine
wahre Herausforderung fehle: "Viel neues läßt sich hier nicht
machen, ein bischen Weege Bau, einige Verbesserungen in der
Landwirtschaft, sonst ist es das einförmigste Land, das der Schöpfer
je gebaut hat."
Stein,
der in seiner bisherigen Laufbahn immer mit Bergwerk und Industrie zu
tun gehabt hatte, fühlte sich in einer landwirtschaftliche orientierten
Region wohl einigermaßen Fehl am Platz. Hier spielte aber gewiss auch
der Krieg mit Frankreich eine Rolle. Die drohende Invasion wirkte lähmend
auf die Provinz. Zunehmend musste Stein sich außerdem auf die zu
erwartende Invasion vorbereiten: es mussten Lazarette vorbereitet
werden, Pläne für die Sicherung von wichtigen Unterlagen erstellt
werden, der Rückzug von Behörden war zu organisieren, und so weiter.
An großen neuen Projekten, die Stein bevorzugte, war nicht mehr zu
denken.
Im
Oktober 1794 eroberten die Franzosen den linken Niederrhein. Stein zog
sich mit der Kammer in Wesel zurück, später findet man ihn in Hamm und
ab Frühjahr 1796 in Minden wieder. Damals wurde er zum Ober-Kammer-Präsident
der dortigen Kammer ernannt, aber behielt noch immer auch das Präsidium
der klevischen und der märkischen Kriegs- und Domänenkammer. Seine
formelle Bestallung nennt die Provinzen, für die er als Oberpräsident
zuständig war: Minden, Ravensberg, Tecklenburg und Lingen, Kleve und
Moers, Mark und Geldern. Das linksrheinische Kleve war aber bereits beim
Sonderfrieden, den Preußen 1795 zu Basel mit Frankreich geschlossen
hat, vom preußischen König aufgegeben worden und die Zuständigkeit
der Kriegs- und Domänenkammer für dieses Gebiet wurde zunehmend zur
Fiktion. Die Wohnung auf der Schwanenburg, die ihm formell noch immer
zur Verfügung steht, war für Stein unerreichbar geworden.
4.
Schluss
Fragt
man zum Schluss nach der Bedeutung dieser Klever Episode in der Vita
Steins, dann muss zunächst festgehalten werden, dass sie für Kleve
eher gering ist. In der Kürze und bei den Bedrängnissen des Krieges
hatte er hier nichts Großes bewirken können.
Umgekehrt
ist der hiesige Aufenthalt für den Freiherrn aber nicht folgenlos
gewesen. Dort wo er in seiner Nassauer Denkschrift aus dem Jahre 1807
seine Dienst-Erfahrung anspricht, betrifft dies die Bedeutung zweckmäßig
gebildeter Stände, die ein Mittel seien, "die Regierung durch die
Kenntnisse und das Ansehen aller gebildeten Klassen zu verstärken, sie
alle durch Überzeugung, Teilnahme und Mitwirkung bei den
National-Angelegenheiten an den Staat zu knüpfen." Ausdrücklich
nimmt er in diesem Zusammenhang auch Bezug auf Kleve. Seine praktischen
Erfahrungen mit dem Ständewesen hatte erganz vorwiegend hier gemacht.
Es
stellt sich daneben die Frage ob Stein aus Kleve nicht auch
Negativ-Erfahrungen mitgenommen hat, die gewisse Überzeugungen bei ihm
geprägt oder bestätigt haben. Mit der Bürokratie, über die er sich
aufregte, und mit den Härten des preußischen Merkantilsystems ist er
auch hier konfrontiert worden. Der sich später bei ihm offenbarende
Wunsch, den Dirigismus des aufgeklärten Absolutismus beiseite zu
schaffen, dürfte hier Zündstoff erhalten haben. |