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Presseartikel

 

Im Kolpinghaus wurde gestern über den Dialekt und seine Bedeutung diskutiert. Dabei wurden grenzüberschreitende Unterschiede deutlich. 

Foto: hei

Das Platt im Licht der Wissenschaft
Unterschiedliche Positionen und Arbeitsergebnisse im Kolpinghaus

Kleve. Platt ist eine Sprache. Wer's beherrscht, gilt bei Sprachforschern als zweisprachig. Warum die Erforschung und die Dokumentation des örtlichen Dialektes für Sprachwissenschaftler eine so wichtige Sache sind, dass sie sich freundschaftlich in die Wolle kriegen, wurde gestern im Kolpinghaus klar.

„Das alte Platt und die heutigen Dialekte zwischen Kleve und Nimwegen" hieß die Veranstaltung, zu der der Landschaftsverband Rheinland gemeinsam mit dem Klevischen Verein für Kultur und Geschichte eingeladen hatte. „Das Zusammenspiel zwischen den Experten der Universitäten Nimwegen und Bonn sowie den lokalen Kennern war uns wichtig", so Dr. Fritz Langensiepen, Amt für Rheinische Landeskunde. Ein Kenner der Materie, Dr. Georg Cornelissen, ebenfalls vom Rheinischen Amt für Landeskunde, brachte seine Ergebnisse auf den Punkt: „Ich habe mit vielen hundert Menschen gesprochen, im Altar von rund 40 Jahren spricht kaum noch jemand Platt." Völlig anders das, was Charlotte Giesbers, Radboud Universität Nimwegen, für ihre Doktorarbeit zusammen getragen hat: „Es wird noch viel Platt gesprochen. Ich bin mit vielen Leuten zusammen gekommen, mit jungen und älteren. Auch die Jüngeren sprechen noch Platt." Jetzt wollen sie die unterschiedlichen Positionen überprüfen - in dem Schulkinder vor das Mikrofon geholt werden.

Dialekt ist Heimat

Dialekte zu untersuchen sei wichtig, sagten gestern die Wissenschaftler im Kolpinghaus, weil über die Sprache Identitäten gebildet werden, weil sich Gruppen bilden, die sich gegenüber anderen abgrenzen.

Identität

Außerdem sei die Sprache Heimat. Und dieser Aspekt sei in einer globalisierten Welt wichtiger Identitätsfaktor, so Prof. Roland van Hout aus Nimwegen. Unterschiede hatten die Wissenschaftler im Umgang mit dem Dialekt dies- und jenseits der Grenze ausgemacht. „In Deutschland wird weniger Platt gesprochen als in den Niederlanden", erläuterte Charlotte Giesbers eines ihrer Arbeitsergebnisse. Zu lernen war, dass der Umgang mit dem Dialekt auch in den Niederlanden unterschiedlich gehandhabt wird. In Nimwegen gilt das Platt als Ausdrucksform in eher sozial benachteiligten Kreisen, während der Limburger recht selbstbewusst und stolz zu seinem Dialekt steht.

Damit das Platt nicht nur abstrakt im Raum stehen bleibt, kann sich der Interessierte nun mit Hilfe einer CD ein gehörtes Bild vom heimischen Dialekt machen. Unter anderem ist Joseph Beuys zu hören, der sich in einem Maastrichter Radiostudio ganz ungeniert zu seiner „Muttermilchsprache" bekannte. 700 Stück groß ist die Auflage. Die CD kostet 4,50 Euro und ist in allen Klever Buchhandlungen erhältlich.

Annette Henseler