Bräuche ...

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Die Zukunftswerkstatt: RP-Redaktionsleiter Jürgen Loosen, Paul Dirmeier, Georg Jopi Winnen, Helmut Vehreschild, Alwine Strohmenger - Pickmann, Norbert Pauls, Rolf Winkels, VoBa-Sprecher Frank Ruffing und Matthias Grass, RP-Foto: KDS

Kleve fehlt die Vernetzung

Unter der Moderation von Volksbank-Vorstandssprecher Frank Ruffing und RP-Redaktionsleiter Jürgen Loosen stellte die Zukunftswerkstatt die Frage nach dem Brauchtum in Kleve.

VON MATTHIAS GRASS

KLEVE Es gibt einen roten Faden, der alle Zukunftswerkstätten der Rheinischen Post und der Volksbank Kleverland durchziehen - und so war es kaum verwunderlich, dass auch für die Brauchtumsvertreter ein Wunsch ganz oben stand: „Wir brauchen einen Koordinator mit Weisungsbefugnis, einen, der sich um all die oft konkurrierenden Veranstaltungen im kulturellen Bereich kümmert und diese koordiniert", brachte es Alwine Stohmenger-Pickmann, Vorsitzende des Klevischen Vereins, auf den Punkt. Denn in Kleve fehle eine Stelle, die diese Programme „auf der Agenda habe", hieß es. Strohmenger-Pickmann: „Es fehlt die Vernetzung!"

Der Kulturdezernent

Ob man diese Stelle nun als Kulturdezernent (den es ja früher einmal in Kleve gab) oder wie auch immer bezeichnen will. Die Einrichtungen Stadtmarketing, Wirtschaftsförderung oder Kulturamt hätten diesen Überblick nicht. So komme es vor, dass sich sogar deren Veranstaltungen untereinander Konkurrenz machten, hieß es.

Sonst war man mit der Brauchtumspflege in der Stadt zufrieden. Paul Dirmeier fand hier sogar die treffende Frage, die, rhetorisch gestellt, eigentlich die Antwort war. „Wer ist für Brauchtum zuständig?

In den Satzungen der Karnevalsvereine und wohl auch der Heimatvereine steht ganz deutlich, dass die Pflege des Brauchtums zu den Pflichten des Vereins gehört." Der Schwanenfunker fügte noch gleich an, dass es im Klever Rosenmontagskomitee inzwischen 16 Karnevalsvereine und Einrichtungen gibt. Und das die Breijpott-Tröpfchen die ersten kamevalistischen Tänzerinnen im Kreis Kleve waren. Alwine Strohmenger-Pickmann ergänzte, dass es das Wort Brauchtum weder in ganz alten noch in ganz neuen Lexika gibt: „Nach '45 redete man auch nicht gern vom Brauchtum." Dennoch sei es wichtig, Bräuche zu pflegen und zu wahren.

Norbert Pauls, Chef des KRK, unterstrich, dass gerade in Kleve jene Brauchtumspflege groß geschrieben werde. Das zeige, dass allein in einer Session der Klever Prinz über 250 Auftritte habe. „Die Leitung zu Bürgermeister Theo Brauer und zu Kämmerer Willibrord Haas ist kein Problem"? so Pauls. Aber: Ohne USK und vor allem ohne Sponsoren geht gar nichts mehr. Und das ist irgendwo auch ein Problem in der ganzen Brauchtumspflege: Es kostet inzwischen richtig Geld, etwas auf die Beine zu stellen, bestätigten Dirmeier, Georg Jopi Winnen, Rolf Winkels und nicht zuletzt Quaker-Präsident Helmut Vehreschild aus eigener Erfahrung.

Nicht ohne Sponsoren und nicht ohne Ehrenamtliche. „Ohne die Trainer, ohne die Helfer, die die Kostüme nähen, die die Kinder bei Laune halten, die sich um die kleinen und großen Dinge am Rande kümmern, würde das nicht gehen", betonte Vehreschild. Wobei Dirmeier unterstrich, dass es inzwischen viel komplizierter geworden sei, eine Veranstaltung zu organisieren: Gema, Finanzamt, Versicherungen - alles Dinge, die zusätzlich organisiert sein sollen. Letztlich steht und fällt aber alles mit den Mitgliedern - hieß es unisono.

Lebt das Klever Platt?

KLEVE (mgr) Ein ganz eigenes Kapitel in der Brauchtumspflege nimmt die Mundart ein: Mit Jopi Winnen, Paul Dirmeier und Helmut Vehreschild waren da drei Büttenredner, mit Rolf Winkels der Schützenchef, die die Kleefse Mundart wachhielten. Aber wie sieht es mit dem Nachwuchs aus?

„Wir haben doch Platt oft von Opa und Oma gelernt - aber die sind ja heute nicht mehr in der Familie sondern auf Burg Ranzow oder in der Stiftung", brachte es Winnen auf den Punkt. Einig waren sich alle, dass immer weniger Platt wirklich gesprochen wird - vielleicht noch auf den Dörfern. „Platt bildet für uns auch eine Brücke", sagte Winkels. Und man höre es noch zwischen Handwerkern auf der Baustelle. Frank Ruffing kannte dieses Problem aus seiner Heimat, dem Pfälzischen nicht: „Im Süden ist Mundart ganz selbstverständlich - aber hier bringen meine Kinder keine neuen Worte aus dem Kindergarten mit nach Hause", sagt er. Ein Erklärungsversuch: Platt war am Rhein lange Zeit verpönt.

Dirmeier bedauerte, dass es in den Schulen keinen Lehrer mehr gibt, der dieses so wichtige Brauchtum pflege. Dennoch: Sowohl Winnen als auch Dirmeier wussten Beispiele auch von Klever Kindern, die noch Platt können, und Winkels unterstrich, dass an den Theken auf den Dörfern ebenfalls Platt gesprochen werde.

Wichtige Hilfe leisten da Winnen mit seinen vielen Mundart-Auftritten und Dirmeier, der erst kürzlich für den Boss-Verlag Mundart-Bücher als CDs in Platt besprochen hat. Mehr als ein Anfang?

INFO Neuer Brauch

Zur Brauchtumspflege gehören in Kleve aber auch neue Bräuche. So sind die Klever Schützen begeistert vom neuen Schützenzug zur Klever Kirmes. „Das ist eine wunderbare Einrichtung, bei der sich vor allem auch die Schützenvereine aus den kleineren Ortschaften präsentieren können", lobte Rolf Winkels von den Kellener Schützen die ursprüngliche Idee des Bürgermeisters. Winkels sprach allerdings im Namen aller Schützen, dass der Zug, der besser zur Eröffnung der großen Klever Kirmes nicht passen könnte, auch ein Schützenzug bleiben solle.