Durch arkadische Landschaft zum MoritzgrabmalTatkräftige Kermisdahl-Wetering-Initiative hat schon viel bewegt Was
im Jahre 2003 als Bürgerantrag begann, hat sich zu einem von einer
breiten Basis getragenen Arbeitskreis innerhalb des Klevischen Vereins
entwickelt, dessen Besonderheit es ausmacht, dass hier engagierte Bürger
und Mitglieder verschiedener Vereine sich gemeinsam mit Vertretern
unterschiedlichster Behörden für eine Sache einsetzen, die zunächst
nur ein einziges Ziel hatte: die Schaffung eines Wanderweges von der
heutigen Worcesterbrücke bis zum Grabmal des Prinzen Johann Moritz von
Nassau-Siegen und von dort weiter bis zum Schloss Moyland. In der ersten Sitzung des neuen Arbeitskreises im November 2003 im Angelsportheim des ASV Rindern formulierten die Anwesenden aus den unterschiedlichsten Interessensbereichen eine lange Liste von Versäumnissen und Notwendigkeiten, um der „Schokoladenseite“ unserer Stadt wieder ein gepflegtes Ansehen zu geben.
Maßnahmen wurden diskutiert, beschlossen, Aufgaben verteilt und kontrolliert. Die Koordination übernahm Alwine Strohmenger-Pickmann, seit 2006 Vorsitzende des Klevischen Vereins. Damals wie heute ist uns wichtig, viele gute Köpfe und Ideen mit ins gemeinsame Boot zu holen, um miteinander in gleicher Zielsetzung etwas zu bewirken. Die Initiative entwickelte daraufhin auch so viel Dynamik, dass sie in der Vergangenheit noch weitere Maßnahmen in Angriff nehmen konnte. Wegen des traurigen Zustandes des Kermisdahl-Uferweges baten wir um Hilfe bei Forst und Verwaltung. Der Kermisdahl selbst ist völlig verschlammt, weil seit 30 bis 40 Jahren viele Bäume quer zur Fliessrichtung ins Wasser gefallen und dort liegen geblieben waren. Hier wurden der Deichverband, Behörden und die Pioniere der Moritz von Nassau-Kaserne in Emmerich um Hilfe gebeten. Die erfolgreiche Arbeit der Pioniere hat den Fluss wieder aufatmen lassen. Die Forstdirektion Kleve hat lobenswert und bürgernah die ersten wichtigen Schritte in eine erfolgreiche gemeinsame Richtung mitgetragen. Der Uferweg am Kermisdahl wurde dadurch wieder begehbar. Der Papenberg erhielt mit dem Freischnitt wieder seine wunderbare Aussicht und durch die folgenden Räumarbeiten nach Windbrüchen wieder eine angemessene Umgebung für das einzigartige Denkmal des Moritzgrabes. Es gab Rückmeldungen wie: „Jetzt weiß ich auch, wo der Papenberg ist – ich wohne schon 30 Jahre in Kleve – dorthin werde ich ab jetzt meinen Besuch führen.“ Wir
verstehen unsere Arbeit behördenunterstützend und gemeindenübergreifend
und sind dankbar, wenn aus den Reihen der Bürgerschaft neben ideeller
Unterstützung auch finanzielle Großzügigkeit anstehende Vorhaben möglich
macht. So werden Maßnahmen auch für die Behörden leichter durchführbar.
Die Luisenbrücke am Engen Hals, ein großzügiges Geschenk von Karla
Hartwig, ist seit ihrer festlichen Eröffnung im August 2005 ein ideales
Beispiel. Nähme man ein Entgelt für die Brückennutzung, so wäre
schon ein kleines Vermögen zusammengekommen – so viele Bürger nutzen
das gesamte stadtnahe Gebiet am Kermisdahl mit dem wiederhergestellten
Prinz-Moritz-Weg und den Galleien. Jährlich
macht der Arbeitskreis Kermisdahl-Wetering durch eine besondere
Veranstaltung auf seine Ziele und Anliegen aufmerksam. Im vergangenen
Jahr war es im Rahmen der festlichen Eröffnung der Via Romana von
Xanten nach Nijmegen die Wanderung
am Kermisdahl mit der Nimweger Bürgermeisterin Dr. Guusje ter
Horst und dem Honorarkonsul Hermann von Ameln als unserem Schirmherrn,
den Bürgermeistern der Stadt Kleve und Bedburg-Hau sowie vielen
prominenten Bürgern diesseits und jenseits der Grenze. Als Zeichen der Verehrung und des Dankes überreichte Alwine Strohmenger-Pickmann am Moritzgrabmal in Anwesenheit vieler Gäste Guusje ter Horst eine Rose - mit Worten des Dankes für die Förderunterstützung des Wanderweges als Teilstück der Via Romana. Etwa
zeitgleich mit der Eröffnung des Teilstückes der Via Romana
Nijmegen-Kleve am 28. Oktober 2006
hat die Bezirksregierung Düsseldorf der Stadt Kleve den
Bewilligungsbescheid für die Förderung des gemeindeübergreifenden
Baues eines Wanderweges zugestellt. Im März-April wird die Stadt Kleve
mit der zweiten Etappe des Prinz-Moritz-Wanderweges von der Echobrücke
bis zum Grabmal des Prinzen beginnen, und die Gemeinde Bedburg-Hau wird,
vorbei am Loosenhof entlang des Geburtenwaldes, durch Wiesen und entlang
des Schermgrabens bis zur Torfkuhle, die Lücke des Voltaire-Weges
zum Moyländer Schloss schließen.
Die Mitglieder des Arbeitskreises freuen sich, mit den zuständigen Behörden wie dem Deichverband, der Stadt Kleve, der Gemeinde Bedburg-Hau, dem Staatlichen Umweltamt, dem Kreis Kleve und der Forstverwaltung auch die Gespräche zur ersten Teilentschlammung des Kermisdahls nach 35 Jahren mit auf den Weg gebracht zu haben. Diese Gewässerpflegemaßnahme soll von September bis Mitte November 2007 erfolgen, als erster Teilabschnitt von der Verlandungszone bis zu den Kaskaden. Die Untersuchung von Schlammproben erlaubt eine Ablage des Schlammes auf den Galleienwiesen. Hierfür werden sogenannte Spülfelder angelegt. Das ist eine Quadrat-Deichung, in der der Schlamm austrocknen kann. Der Fluss wird damit sauberer und bekommt nach langer Zeit wieder mehr Wasser als Schlamm in sein Bett und somit auch mehr Sauerstoff und Licht für Flora und Fauna. Mitte
der 90er Jahre wurden in den Galleien zwei Birnenalleen gepflanzt. Um
auch die dritte Allee als Sichtachse vom Papenberg zur Schwanenburg
wiederherzustellen und die bestehenden beiden Wege auch jenseits des
Klever Ringes als Sichtachsen zu vervollständigen, wurden nach einem
Besuch des Stiftungsvorstandes hier in Kleve fristgerecht Mitte Oktober
2006 Anträge an die Stiftung NRW gestellt. An dieser Stelle möchte ich an Dr. Hütten und Dr. van Ackeren erinnern, die sich schon vor etwa 30 Jahren für die Mitnutzung des Uferweges am Kermisdahl durch die Klever Bürgerschaft eingesetzt haben. Die Stadt Kleve hatte schon in der Verwaltungszeit von Stadtdirektor Dr. Schröer die historische Wegeanbindung am Hang des Kermisdahls und entlang der Wetering geplant. Dies geschah offensichtlich folgerichtig als Reaktion auf das uns erst jetzt bekannte Gutachten von Prof. Hennebo und Dr. Hoffmann aus dem Jahre 1976: „Historische und aktuelle Bedeutung der klevischen Gartenanlagen des Fürsten Johann Moritz von Nassau-Siegen.“ Dass die Ehrenbürger Pfarrer Fritz Leinung und Ehrenbürger Karl Kisters unserem Arbeitskreis von Anfang an angehören, ist uns eine besondere Freude. Ohne die Spenden der Kisters-Stiftung für Anschaffung von Baumaterial zur Renovierung des Uferweges, der Holz-Geländer, der Sitzplätze, der Bänke und der Renovierung des Parkplatzes am Echo wäre vieles nicht möglich. Das
I-Tüpfelchen ist die Stiftung der Luisenbrücke und die Sitzgruppe am
Engen Hals durch Karla Hartwig, sie verbindet den Alten Park des Johann
Moritz mit seinem ehemaligen Lustgarten, dem Moritzpark. Die Stadt Kleve unterstützt und tut aus eigener Kraft, was eben machbar ist. Mit der Wegeführung oder Verschönerung verbundene Maßnahmen finden auch in der Gemeindeverwaltung Bedburg-Hau ein offenes Ohr (Anpflanzung der kleinen Buchenhecke auf dem Papenberg und Stiftung der Bänke am Aussichtspunkt). Der Kreis Kleve hat den an der Uedemer Straße stehenden „verfallenen Beton-Viehunterstand“ unterhalb der Schlucht von Freudenberg entsorgt. Der Deichverband Kleve-Xanten pflegt im Rahmen der Gewässerschauen die Wiesenseite der Galleien. Die Euregio Rhein-Waal hat das gemeindeübergreifende Projekt des Wanderweges mit 150.000 € gefördert.
Der städtische Gartenmeister Hans-Heinz Hübers, der die praktische Arbeit der USK Kleve am Kermisdahl mit großem Einsatz, guten Ideen und Umsicht leitet und stets ein offenes Ohr für Fragen des Arbeitskreises hat, erhielt die zweite Rose im Jahre 2006 im Sinne des Fürsten Moritz von Nassau. Sehr gerne danken - für alle freundliche Hilfen - möchte ich im Namen des Arbeitskreises vor allem Wilhelm Diedenhofen, Guido de Werd, Bert Thissen sowie Wiltrud Schnütgen und Helga Ullrich-Scheyda. Auch den Aktiven unseres Arbeitskreises, insbesondere den Vertretern der Behörden, möchte ich für problemlösende Gedanken und Taten, mutige und umsichtige Entscheidungen, gute Ratschläge und so manche Überstunden danken. Die
Unterstützung durch unsere hiesige Presse möchte ich nicht unerwähnt
lassen. So trägt jeder dazu bei, das Bewusstsein für diese wunderbare
Landschaft zu prägen. Der Wanderweg ist nicht nur wichtig, um den Bürgern lückenlose Wandermöglichkeiten entlang des Kermisdahls zu verschaffen. Von eminenter Bedeutung ist die kulturhistorische Umgebung. Mit der Erschließung des Moritzgrabmals soll auch das wieder möglich werden, was der Fürst selbst so geschätzt hat: die Grabanlage soll inmitten der Waldlandschaft wirken und in Beziehung zum umgebenden Raum gebracht werden, zur Burg, zur Stiftskirche und zu weiter entfernt liegenden Stellen wie dem Eltener Berg. Damit wird auch der unmittelbare Bezug des „Alten Parks“ zum „Neuen Park“ am heutigen Amphitheater deutlicher, auch dort gibt es Sichtachsen zur Schwanenburg und nach Elten. Schon früh hatte Moritz von Nassau die topographischen Verhältnisse in Kleve für sich zu nutzen gewusst. So ließ er schon drei Tage nach seiner Ankunft in Kleve im Oktober 1647 den Bürgermeister von Kleve zu sich bitten, um ihn über seine Pläne, Kleve mit einem Lust- und Tiergarten zu bereichern, zu informieren.
Was hat dieser Fürst in 30 Jahren nachhaltig für Kleve und seine Umgebung bewirkt? Die Alleen, Garten- und Parkanlagen des Johann Moritz waren die ersten „künstlichen Gärten“ in Deutschland mit Ampelfunktion für andere Städte. Ein Genie seiner Zeit - ein Vorbild für uns heute. Prinzenhof, Lustgarten - jetzt Moritzpark - und das Grabmonument am Papenberg gehören zusammen, sind sich ergänzende Gestaltungen des Fürsten, ein Gegenpol zum Amphitheater mit den wunderbaren barocken Gartenanlagen auf der anderen Seite der Stadt Kleve. Wir freuen uns auf den „ersten Spatenstich“ zum Baubeginn des Wanderweges, der alle vorgenannten Punkte miteinander verbindet. Wir
haben die Chance, am pfleglichen Erhalt für die nächste Generation
mitzuwirken. Es ist ein Erbe, das verpflichtet, das jede Anstrengung und
jedes Opfer lohnt - von Seiten der Bürgerschaft und der Verwaltung. Gerlinde Semrau-Lensing |