Rund um den Schwanenturm No. 1 / 2 (1989), Kleve S. 4.

Paul Gerhard Küsters

MENSCHEN

DER TOD DES GERECHTEN

Wilhelm Frede: ein Klever Märtyrer der Naziherrschaft

Für die Nachkriegsgeneration, die in Freiheit und Wohlstand aufgewachsen ist, ist es nur schwer vorstellbar, wie schnell jemand unter der braunen Diktatur der Nazis sein Leben verspielen konnte, wenn er sich nicht mit dem Regime konform erklärte.

Wilhelm Frede, jahrzehntelang im Niederländischen Konsulat in Kleve tätig, wurde seit 1940 von der Gestapo beschattet, weil er an Prozessionen teilnahm, regelmäßig den Gottesdienst besuchte, Kontakte mit katholischen Geistlichen pflegte und sich nicht scheute, jüdische Mitbürger zu grüßen und mit ihnen zu sprechen. Deshalb wurde er als „scharfer Gegner des nationalsozialistischen Staates" und als „unwürdiger Deutscher" gebrandmarkt. Da er als „politisch unzuverlässig" galt, suchte man ihn aus seiner Funktion als Konsulatsbeamter aus der schwedischen Hilfsstelle für niederländische Staatsangehörige in Kleve, die er seit 1940 leitete, zu entfernen.

Am 3. November 1941 wurde er in „Schutzhaft" genommen mit der lapidaren Begründung: „Der umseitig Genannte gab durch seine fortgesetzte deutsch-feindliche Einstellung bis in die Gegenwart Anlaß zu Beschwerden." Für Frede war das Gewissen das oberste Gesetz seines Handelns gewesen; deshalb ließ er sich nicht von der dem Zeitgeist huldigenden Masse irritieren. Aufgrund seiner unerschütterlichen Rechtschaffenheit, seiner Gottesfurcht und seines Mutes mußte er den damaligen Machthabern unbequem sein, daher war es nur folgerichtig, daß am 19. Dezember 1941 die „Schutzhaft" endgültig verhängt wurde und er ins Konzentrationslager kam. Alle Bemühungen von Seiten der Familie, den Gefangenen aus Sachsenhausen freizubekommen, waren vergebens, und als auf den starken Druck der Schwedischen Botschaft hin die Gestapo „unter den gegebenen Umständen die bisherige Schutzhaft für ausreichend" hielt, war der schwermißhandelte Mann nach Monaten schlimmer Haft ein Märtyrer seines Glaubens, seines Gewissens und seiner Charaktergröße geworden. Am 13. März 1942 war er den „gegebenen Umständen" erlegen.

Obgleich die Familie des Opfers den Verräter Wilhelm Fredes kannte, hat sie aus christlicher Gesinnung heraus darauf verzichtet, ihn nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches zu verfolgen. Damit hat sie in der edlen Gesinnung Wilhelm Fredes gehandelt. Nachdem bereits in Kleve eine Straße und eine Schule nach dem Namen des standhaften Mannes benannt worden sind, wird am 3. September dieses Jahres die von den drei Klever Heimatvereinen gestiftete Johanna-Sebus-Medaille posthum an Wilhelm Frede verliehen.

Urkunde über die von Max Gonsenheimer gepflanzten fünf Bäume in der „Allee der Gerechten " in Jerusalem zum Andenken an Wilhelm Frede