Sektion Schwanenburg ...

NRZ vom 2. Mai 2012

Luxusknast im Mittelalter - sogar mit Klo

Zweigeschossiges Schwanenburg-Verlies. Gewölbe freigelegt

von Andreas Daams

Bild1.jpg
290,08 KB
Das Verlies in der Schwanenburg wurde mit Dieter Heinen, Alwine Strohmenger-Pickmann und Benedict Kreusch (von links) vorgestellt.
Bild2.jpg
47,87 KB
Die übrig gebliebene Sitzringhälfte im Fäkalraum.

Kleve. Manches ist klar, anderes bleibt geheimnisumwittert. Aber in jedem Fall ist es eine Sensation. Im Schwanenturm gab es ein Verlies mit einigem Komfort. Wer hier hineinkam, hatte im Gegensatz zu anderen Gefangenen zumindest eine Art Toilette. Er konnte sich auf einen Sitzring aus Drachenfels setzen, die Notdurft fiel in ein vier Meter hohes Gewölbe.

Dieses Gewölbe hat der Klevische Verein nun restauriert. Man kann durch eine 250 Kilo schwere Glasplatte in den hellerleuchteten Raum hineinschauen, und, besonders eindrucksvoll, die Details mittels einer schwenkbaren Kamera am Bildschirm bewundern.

Versteinerter Kot an der Wand

Da gibt es nun einiges zu sehen. „Jeder Stein erzählt eine Geschichte", schwärmt der. Klever Steinmetz Benedikt Kreusch, der das Gewölbe restauriert hat. Natursteine waren kostbar, mussten aus den Gebirgen herbeigebracht werden. Deshalb verwendete man etwa alte Fensterstürze, die man gefunden hatte. Im Verlies - dem heutigen Eingangsraum des Schwanenturms ließ Dr. Friedrich Gorissen 1948 eine kleine quadratische Öffnung zum Gewölbe graben. Schon er war der Sache also auf der Spur. Aber 1951 durfte er nicht mehr weiterarbeiten, der geheimnisvolle Raum geriet in Vergessenheit. Was es mit dem Gewölbe auf sich hat, fand dann vor wenigen Jahren der Burgenforscher Dr. Joachim Zeune im Auftrag des Klevischen Vereins heraus. „Ein zweigeschossiges Verlies ist für diese Zeit in der Burgenforschung einzigartig", sagt Dipl.-Ing. Dieter Heinen, der das Projekt angestoßen und durchgeführt hat. An den Wänden des Gewölbes klebt noch der versteinerte Kot ehemaliger Häftlinge. Tierknochen, Tonscherben und Schutt liegt in den Ecken. Offenbar nutzte man den Kellerraum auch als Abfalldepot. „Burgenforscher sind sehr an dem Verlies interessiert, denn es ist noch lange nicht zu Ende geforscht", erklärt Alwine Strohmenger-Pickmann, Vorsitzende des Klevischen Vereins.

Da gibt es zum Beispiel einen Schacht in einer Ecke des Gewölbekellers, ganz deutlich zu sehen. Aber wohin führt er? War das Gewölbe ein Zufluchtsraum, von dem aus man in höchster Gefahr die Burg verlassen konnte? „Es gibt die Legende, dass im 16. Jahrhundert Gefangene ausgebrochen sind", erzählt Strohmenger-Pickmann. Aber niemand weiß, wie." Durch die Sickergrube in die Freiheit? Das wird man so bald nicht erfahren, denn die zuständigen Ämter für Denkmal-und Bodenpflege möchten den Schutt, der den Schacht füllt, gerne erhalten.

Mehr Bürger müssten helfen

Der Klevische Verein konnte die 21.000 Euro teure Maßnahme nur mit Eigenleistungen und finanzieller Hilfe der Volksbank Kleverland, der Stadtwerke Kleve und der Firma Jansen Bedachungen stemmen. Gerüstbau Elbers baute dazu unentgeltlich die Gerüste für die Restaurierung auf. ,Wir haben ja leider nur relativ wenige Mitglieder", sagt Strohmenger-Pickmann, „dabei müssten sich angesichts dessen, was wir für Kleve leisten, viel mehr Mitbürger engagieren."

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. „Es gibt ja nur wenige mittelalterliche Gebäude in der Schwanenstadt", sagt Dieter Heinen. „Da ist das Verlies doch eine echte Attraktion für Kleve."