Sektion Schwanenburg ...

RP vom 19.07.2006:

"Die Arbeit ist Erfüllung"

Der Klever Restaurator Wilhelm Maes ist zurzeit damit beschäftigt, das Modell der Schwanenburg von Egon Schönberner aus den 60er Jahren wieder aufzupeppen. Am 23. Juli ist Einweihung im Schwanenturm.

von KERSTIN OLANETA

INFO Biographie

Wilhelm Maes hat unter anderem als Restaurator im Museum Kurhaus Kleve sowie in der Ernst-Moritz-Arndt Universität in

Greifswald gewirkt. Seine erste berufliche Ausbildung als Maler genoss er im Malerbetrieb seines Vaters, der Dekorations- und Kirchenmaler war. Berufsbegleitend hatte Maes künstlerischen Unterricht bei John Smit, Kunstmaler aus Dänemark. Anfang der 80er Jahre absolvierte Maes das berufsbegleitende Restauratorstudium in Raesfeld.

 

Der Klever Restaurator Wilhelm Maes mit dem Modell der Schwanenburg. RP-FOTO: GOTTFRIED EVERS

KLEVE „Diese Arbeit hier", sagt Wilhelm Maes, während er dem Mini-Schwanenturm liebevoll übern Kopf streichelt, „das ist für mich Erfüllung." Am liebsten würde er noch mit 90, 95 Jahren - sofern die Gesundheit dies zulasse - auf einem Gerüst stehen an Decken, Gemälden oder Skulpturen seine verschönernde Hand anlegen.

Über den Dächern Kleves

Zurzeit ist der 78-jährige Klever Restaurator gerade damit beschäftigt, hoch über den Dächern von Kleve, im Schwanenturm, das Burgmodell von Egon Schönberner aus den 60er Jahren wieder aufzupeppen - auf Wunsch des Klevischen Vereins für Kultur und Geschichte hin. „Die Dächer waren zum Teil eingedrückt, der Schornstein beschädigt, andere Gebäudeteile fehlten ganz", erinnert sich Maes nur allzu gut an den Zustand des Modells, wie er ihn zu Beginn seiner Arbeiten, im Herbst des vergangenen Jahres, antraf.

Bevor er Hand anlegte, wühlte Maes in Büchern, schaute auf Zeichnungen nach und ließ sich von Stadtarchivar Bert Thissen beraten: „Er klärte mich auf, in welchem Material die einzelnen Bereiche der Burg gebaut wurden - ob mit Tupfstein oder Klinker, wo Basaltsockel zu finden waren und wie genau die Farbgebung auszuschauen hatten", erzählt Maes. Schließlich sollte das Modell so naturgetreu wie möglich die Schwanenburg im Jahr 1620 - gemäß dem Modell Schönberners, also noch vor der Barockisierung durch Prinz Moritz - wieder geben. Eine der Schwierigkeiten, auf die der Restaurator traf: „Die einzelnen Gebäude wurden zu unterschiedlichen Zeiten gebaut, und da fielen die Brände entsprechend unterschiedlich aus." Bis das Modell am Sonntag, 23. Juli, 11 Uhr im Schwanenturm feierlich eingeweiht wird, gibt's noch einiges zu tun: „Als nächstes bepflanze ich den Burgberg", verrät Maes. Und zwar mit kleinen Bäumchen und Sträuchern, wie man sie von Modelleisenbahnen kennt. Die grüne Grundierung ist bereits da: liebevoll getupft mit einem Naturschwamm. Auch der Kermisdahl wird noch fließen: „Dabei muss ich aufpassen, dass er auf keinen Fall den Berg 'rauf fließt", sagt der Restaurator. Schließlich solle ja alles so realistisch wie nur möglich sein.

Für diese Zwecke ist die Wasserwaage Maes' ständiger Begleiter: „Das Burgmodell setzt sich aus einzelnen Modulen zusammen - und die dürfen halt nicht schief oben auf dem Berg stehen." Mitte nächster Woche kommt noch eine Glasabdeckung über das fertige Modell - damit es wieder möglichst lange dem nagenden Zahn der Zeit standhält.