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Presseartikel

 

EINZUG JESUS

Der Palmsonntag ist der sechste Fastensonntag (lateinisch Dominica Palmarum) und heißt umgangssprachlich Palmtag. Im Mittelpunkt der lateinischen Liturgie die Segnung der Palmzweige. Danach wird das Evangelium verkündet, das den Einzug Jesu in Jerusalem schildert. Hierauf folgt die Prozession mit den geweihten Zweigen, bei der Christkönigslieder gesungen werden. Infos: www.osterseiten.de. (age)

Die Rinde muss ab, sonst wird der Palmstock braun.

Palmstock à la Niederrhein

BRAUCH. Dieter Cammans gibt die traditionelle Schnitztechnik gerne an die Jugend weiter. Seine Enkelin Jule kann es schon richtig gut.

ANKE GELLERT-HELPENSTEIN THORSTEN LINDEKAMP (Fotos)

KLEVE. Es knackt leise und schon ist der daumendicke Weidenast, die knottwellige wejj, wie Dieter Cammans aus Rindern sagt, abgeschnitten. Für einen ganz bestimmten Zweck. Dieter Cammans, der auch im Klevischen Verein für Kultur und Geschichte sehr aktiv ist, beherrscht noch den alten Brauch des Palmstockschnitzens. So leitet er - begleitet von interessierten Kindern und Jugendlichen, vor allen Dingen von seiner Enkelin Jule Mies - alle Jahre wieder die vorösterliche Zeit ein. Er selbst hat das Brauchtum in der Nachkriegszeit von Pastor Hellrath erlernt, der ihn genau anleitete, wie die Stöcke zu schnitzen und zu verzieren sind.

„Bei dieser Art der Palmstock-Herstellung handelt es sich um einen ganz alten niederrheinischen Brauch", erklärte der Großvater Dieter Cammans seiner 14-jährigen Enkelin Jule schon vor vielen Jahren. Ihm ist es wichtig, den alten Brauch aufrecht zu erhalten und ihn jungen Menschen zu übermitteln. Jule liebt es, die Palmstöcke zu schnitzen und zu schmücken. „Mir würde was fehlen, wenn ich nicht mit meinem Großvater losziehen würde." Jule weiß genau wie es geht - hat schließlich jahrelange Erfahrung und ihrem Opa stets über die Schulter geschaut. Mit einer Sondergenehmigung vom Forstamt darf er Weidenäste im Hochwassergebiet am Rhein bei Griethausen schneiden. Mit einem langen Messer werden die Stöcke dann geschält. „Die Rinde wird sonst unschön braun", weiß der Meister des Palmstockbastelns.

Hier spaltet Dieter Cammans den Palmstock.

Schöne Palmzweige.

Palmvögel backen

Ist der Stamm nackt, dann wird er am oberen Ende in vier Teile gespalten, ohne auseinander zu fallen. Ein Holzklötzchen wird in den Stock gesteckt und hält die vier Stammteile auseinander. Später wird dieser Punkt mit einem bunten Bändchen verziert. Auch der Stamm unterhalb des geviertelten Teils bekommt bunte Bändchen und die Enden ebenfalls. Daran werden die zuvor zurecht geschnittenen Buchsbaumbüschel gesteckt. „Die Palmzweige des Niederrheins", weiß Cammans. Schließlich sollen die Palmstöcke an den Einzug Jesus' in Jerusalem erinnern, als die Menschen ihn mit Palmwedeln begrüßten. Das war am „Dominica Palmarum", dem Palmsonntag, der fortan die Karwoche einleitete. Dieter Cammans backt mit seiner Enkelin auch die traditionellen Palmvögel, die in den Stock gesteckt werden. „Dieser Brauch lässt sich nicht genau erklären", gibt Cammans zu. Er vermutet, dass diese Ergänzung ein hübscher Brauch für Kinder war. „Oder ein Symbol für das Brotbrechen." Wenn am Palmsonntag die schönen Palmstöcke in der Kirche gesegnet werden, dann ist es Brauch, die Buchsbaumbüschel daheim hinters Kreuz zu stecken. Nach christlichem Glauben schützen sie Heim, Haus und Hof - vor allen Dingen gegen Blitz und Unwetter. So zumindest ist es im Internet zu lesen (osterseiten.de). „Am Niederrhein wurden dann im kommenden Jahr die Buchsbaumäste verbrannt und die Asche wurde für das Aschermittwochskreuz genutzt", weiß der Brauchtumsforscher. In diesem Jahr hat Cammans mit seinen fleißigen Schülern (meistens Kommunionkinder) und der tatkräftigen Unterstützung seiner Enkelin Jule 86 Palmstöcke geschnitzt und verziert.