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„Das
alte Platt und die heutigen Dialekte zwischen Kleve und
Nimwegen" hieß die Veranstaltung, zu der der
Landschaftsverband Rheinland gemeinsam mit dem Klevischen Verein
für Kultur und Geschichte eingeladen hatte.
Ein
Pressebericht
zum Thema im Klever Wochenblatt vom 19. März 2006.
Im
Rahmen der Veranstaltung wurde die CD "Platt
in Kleve und Umgebung - 25
Sprachaufnahmen aus den Jahren 1958 - 2004" vorgestellt.
Einige Hörproben finden Sie hier:
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Materborn
(mp3-Datei, ca. 1,5 MB) Gerd Wolters, geb. 1929; Aufnahme
von 2004, 1:47 Min. Der Sprecher wird 1929 als eines von
sechs Kindern eines Materborner Ehepaares geboren. Nach der
Schulzeit beginnt er eine Gärtnerlehre in Kleve, die aber
durch den großen Bombenangriff auf die Stadt am 7. Oktober
1944 beendet wird. Der Betrieb wird zerstört, viele Tote
sind zu beklagen. Die Familie des Gärtnerlehrlings bleibt
zwar verschont, aber er selbst, sein Vater und alle
Geschwister verlieren an diesem Tag ihre Arbeitsstellen.
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Materborn
(mp3-Datei, ca. 1,8 MB):
Georg Winnen, geb. 1933; Aufnahme von 2004, 2:12 Min. Platt
ist die erste Sprache, die der Materborner Junge in seiner
Kindheit lernt. So sprechen auch die Kinder miteinander,
wenn sie auf der Straße spielen; ihre Spiele heißen
Bandele (Spiel mit einem Metallreifen), Teckele (ein
Wurfspiel), Kneckere (Murmelspiel), Noorlope (Nachlaufen).
Platt ist auch die Sprache der Abzählverse, die die Kinder
dann benutzen. Und wenn im Dezember der Nikolaus ins Haus
kommt, trägt der Junge ein Gedicht auf Platt vor.
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Keeken
(mp3-Datei, ca. 5,4 MB):
Heinrich Schulte zur Wissen, 1875-1960; Aufnahme von 1958,
6:32 Min. Keeken vor dem Ersten Weltkrieg: Ton Klompemaker
wird von einem Nachbarn wegen einer angeblichen, schon 15
Jahre zurückliegenden Brandstiftung angezeigt. Die Polizei
holt ihn an einem Donnerstag ab, er wird in Kleve im
Schwanenturm eingesperrt. Dadurch kommen die männlichen
Einwohner des Dorfes in die Bredouille, ist Ton doch auch
deren Frisör: er schneidet die Bärte. Hier flicht der
Sprecher eine Episode (Tössegespräch) ein: Einmal war in
Keeken ein Husar einquartiert, den die Dorfbewohner vor Tons
(angeblicher) Verrücktheit warnten; als er sich dann von
Ton rasieren ließ und der eine ausholende Armbewegung
machte, bekam der Soldat es mit der Angst zu tun und flüchtete
vom Frisörstuhl. Zurück zur Geschichte: Am Sonntag nach
der Inhaftierung denken die Keekener Männer in den
Gastwirtschaften darüber nach, wie sie ihren Frisör zurückholen
können. Der Deichgräf, der kein armer Mann ist, findet
sich schließlich bereit, die Kaution von 3000 Mark zu
bezahlen. Dafür müssen ihm die Keekener versprechen, Ton
einen prächtigen Empfang zu bereiten und ihn met gepeelde
Rar (mit geschmückten Fahrrädern) und Reitern abzuholen.
Am nächsten Tag um elf Uhr werden die Keekener per Telefon
von der erfolgten Freilassung benachrichtigt; mit einer
Trompete aus dem Krieg 1870/71 wird das verabredete Signal
„Sammeln" gegeben. Die Dorfbewohner ziehen der
Kutsche, in der Ton kommen soll, bis Rindern entgegen. Ton
sitzt in seiner fettigen und vom Kautabak verschmutzten
Weste zwischen dem Deichgräf und dem Vorsitzenden der
Molkerei. Die Kutsche wird nach Keeken eskortiert, wo die
Kinder sich schon in wohl geordnetem Spalier aufgestellt
haben; mit dem Lied „Ich hatt' einen Kameraden" wird
Ton empfangen. Der Sprecher ist der Vater von Theo Schulte
zur Wissen (s. Aufnahme 14). Die Aufnahme ist entstanden im
Rahmen der von Eberhard Zwimer durchgeführten
Dialektkampagne in den 1950er Jahren. Das Originaltonband
befindet sich im Deutschen Spracharchiv im Institut für
Deutsche Sprache in Mannheim (zw3B8; I/3738), eine Kopie im
Tonarchiv des Amtes für rheinische Landeskunde.
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Brienen
(mp3-Datei, ca. 2,4 MB):
Wilma Pempelforth, geb. 1928; Aufnahme von 2004, 2:50 Min.
In den 1930er Jahren müssen die Kinder vanne Spoy, aus
Brienen also, nach Griethausen zur Schule gehen. Sie sammeln
sich morgens, und dann marschiert en hele Kleut (ein ganzer
Trupp) los. Da die meisten zu Hause nur Platt sprechen,
fehlen ihnen am Anfang ihrer Schulzeit noch viele
hochdeutsche Wörter: Wie soll man zum Beispiel pupe übersetzen?
Und Knöllekes? Die werden zwar gern gegessen, aber dass das
.Steckrüben' sind, wissen die Kinder nicht.
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