Johanna - Sebus - Medaille...

INFO Einstimmig!

Der Klever Bürgermeister Theo Brauer, die Vorsitzenden der Heimatvereine Arenacum Rindern, Zur Spoy Brienen, des Klevischen Vereins und deren Vertreter entscheiden über die Verleihung der Medaille.

Wie Alwine Strohmenger-Pickmann, Vorsitzende des Gremiums, gestern berichtete, fiel die Entscheidung einstimmig. Marlene Linke sagte „Ja" zu der Auszeichnung - nicht für sich, sondern, um ihr zentrales Anliegen weiter in der Öffentlichkeit zu verankern und um Unterstützung zu bitten.

Eine reife Frau, die Tabus brach und nach wie vor bezaubernden Jungmädchen-Charme versprüht: Marlene Linke erhält die Johanna-Sebus-Medaille.

RP-Foto: Gottfried Evers

Rheinische Post vom 8. Januar 2009:

Ein Orden für Marlene Linke

Klever Heimatvereine und Bürgermeister Brauer würdigen ihren Einsatz für Menschen in der letzten Lebensphase.

VON THOMAS CLAASSEN

KLEVE Es gibt Entscheidungen, da fragt man sich, warum sie nicht schon eher...aber sei's drum! Keine Frage: Sie ist richtig, genau diese Entscheidung. Eine Medaille im Geiste einer mutigen Frau - diesmal als Auszeichnung einer mutigen Frau! Marlene Linke, nicht nur in Kleve bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund, hat schon verdammt viel Mut bewiesen in ihrem Leben. Damals, vor Jahrzehnten, als sie befallen, nein, überfallen wurde von der Krankheit, vor der sich alle am meisten fürchten: Krebs. Marlene Linke tat, was sie so gut kann: Sie kämpfte und drehte den Spieß um. Sie besiegte nicht nur die Krankheit, sie machte ihre ganz persönliche Patientinnen - Geschichte zum Thema in der Öffentlichkeit. Drehte Filme fürs ZDF-Gesundheitsmagazin, durch die sie bundesweit bekannt wurde. Die Reihe hatte ein auch für den großen TV-Sender außerordentlich starkes Zuschauer-Echo.

Sie brach Tabus

Ein Riesen-Erfolg. Grund zur Eitelkeit? Zum Ausruhen auf Lorbeeren? Nicht für Marlene Linke. Die inzwischen reife Frau, die, nicht nur, weil sie über all die Jahrzehnte ihre einzigartige Zopf-Friseur behielt, nach wie vor bezaubernden Jungmädchen-Charme versprüht, sprach aus, was damals nicht ausgesprochen wurde. Sie ging hin, wo es weh tat. Sie brach Tabus, die keine bleiben durften. Die Gründung des Vereins „Gemeinsam statt einsam" zur Begleitung Schwerstkranker und Sterbender war nur die logische Konsequenz all ihres Wirkens. Warum das Sterben verschweigen, den Tod tabuisieren? Warum, wenn gerade Sterbende die letzten Wochen, Tage, Stunden ihres Lebens anders, besser, in Würde und - vor allem -schmerzfrei erleben, durchleben können. Marlene Linke durchbrach schon wieder ein Tabu. Nein, es sei nicht des Teufels, diesen Menschen Schmerzmittel auf Morphinbasis zu verabreichen, weil sie eben nicht berauschen, sondern die Pein linderten, auf die richtige Dosierung komme es halt an! Marlene Linke sprach, verhandelte - ja, manchmal: kämpfte mit Ärzten, die sich anfangs nicht rantrauten an diese Therapie. Aus Angst, die richtige Dosierung nicht einschätzen zu können. Sie bohrte dicke Bretter. Ja  - jeder Mensch habe am Ende einen zentralen Wunsch: zuhause, in der vertrauten Umgebung zu sterben und nicht irgendwo in einem Pflege- oder Krankenhausbett. Lange, bevor häusliche Pflege zum „Markt" wurde, schuf sie ein Netzwerk, eines von vielen, die auf ihre Initiative zurück gehen: „Gemeinsam statt einsam" hilft Menschen, genau diesen letzten, diesen so wichtigen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen.

Unverrückbar

Das alles tat sie früher als andere, sie tat (und tut) es mit einer unverrückbaren Überzeugung, einem Willen, der Rückschläge überwand, auch persönliche. Marlene Linke ging an Grenzen, auch wieder, als ihr Mann, einer Demenzkrankheit verfallen und im Siechtum, eben da gepflegt wurde, wo er sein wollte: zuhause. Marlene Linke tat alles für ihn - sich schenkte sich nichts. Diese Frau hat Charakter, Charisma, und sie hat Haltung. Eigenschaften, die selten geworden sind.

Diese Preisträgerin hätte Johanna Sebus bestimmt gut gefallen!