"Kermisdahl - Wetering"

Park- und Gartenanlagen des Johann Moritz von Nassau - Siegen (1647 - 1679)

 

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Der Alte Park

Im Südosten der Stadt Kleve liegt auf der eiszeitlichen Terrasse der Alte Park mit dem Sternbusch. Das Areal umschließt den Bogen des Altrheinwassers Kermisdahl, dem sich nach Norden das durch Alleen gegliederte Gebiet der „Galleien" anschließt. Schöpfer dieser Anlage war der brandenburgische Statthalter im Herzogtum Kleve, Fürst Johann Moritz von Nassau-Siegen (1604-1679).

Im Alten Park lag das erste Landhaus des Fürsten „Freudenberg" (1652/53), später in der Flur „Berg und Tal" (Bergendal) seine Einsiedelei. Der Waldteil wurde als Jagdpark durch fächer- und sternförmige Schneisen erschlossen. Die im November 1653 angelegte, vierreihige Nassauer Allee verbindet den Park mit der Stadt. Ein Trophäendenkmal, der Cupido, diente als Sichtmarke der Allee; von hier aus öffnete sich der Park. (Der Cupido steht heute in Höhe der Lindenallee) In der Nähe lag der namengebende „Sternbusch". In der Mitte eines achtstrahligen Wegesterns stand eine Stufenlinde.

Künstliche Hügel

Wie in dem später kultivierten Neuen Tiergarten westlich von Kleve wurden auch im Alten Park künstliche Aussichtshügel aufgeworfen. Die Höhe „Kiek in de Pot" bildete den Focus der Gesamtanlage und war ursprünglich mit einem Trophäenmal, das die heraldischen Zeichen des Johann Moritz trug, besetzt. Im östlichen Teil diente der mit Fichten bepflanzte „Spitzberg" als Sichtmarke für die mittlere, auf die Klever Stiftskirche gerichtete Allee in den Galleien.

Der Papenberg

An einem dritten Aussichtspunkt, dem in die Niederung vorspringenden „Papenberg", lässt sich das Prinzip der „Schönen Aussicht" nachvollziehen. Der Blick auf die Klever Silhouette mit Schwanenburg und Stiftskirche und den zum Klever Berg (106m) aufsteigenden Tiergartenwald fesselt auch heute noch den Besucher.

Das Moritzgrab

Vom Papenberg strahlen drei Alleen in Form eines „Hahnenfußes" in den Wald. Am Ende der westlichen Achse ließ Johann Moritz 1678 sein bis heute erhaltenes Grabmal errichten. Der 1663 gegossene Sarkophag - ursprünglich für den „Ruheberg" beim Amphitheater bestimmt - wurde in „Berg und Tal" aufgestellt, davor eine halbrunde Mauer errichtet, die die römischen Antiquitäten der Klever Antikensammlung aufnahm. Sie blieben hier bis 1792; anlässlich der Restaurierung der Anlage 1979 wurden sie durch Kopien ersetzt. Neben Keramik und Inschriften enthält das Halbrund folgende figürlichen Denkmäler: In Nische 1 (von links nach rechts): Weihestein für die Kapitolinische Trias. N. 2: Grabstele des M. Caelius, das berühmte archäologische Denkmal der Varusschlacht (9 n. Chr.) N. 3: Weihestein für Jupiter Conservator.

N 5.: Grabstele für Marcinus aus der Hilfstruppe der Breuker, im unteren Feld eine tanzende Mänade. N. 8: Grabstein des treverischen Reiters Silvanus und seiner Schwester Prima (Totenmahlszene, stark verwittert). N. 12. Grabstein eines Soldaten. In seinem Selbstverständnis glaubte Johann Moritz, dass sein nassauisches Geschlecht römischen Ursprungs sei, und reihte sich unter die antiken Götter und Helden als neuer Heros ein. In der Mittelachse der Anlage steht die gewaltige gusseiserne Tumba, geschmückt mit Wappen, Trophäen und Inschriften. Zum Zeichen des „Leergrabs" ist die Deckplatte seitlich abgestellt. Der Fürst wurde zunächst hier begraben, dann aber - seinem letzten Willen entsprechend - im November 1680 nach Siegen überführt Das „Moritzgrab" wird von der Stadt Kleve unterhalten; der Arbeitskreis „Kermisdahl-Wetering" im Klevischen Verein für Kultur und Geschichte e. V. bemüht sich um die Wiederherstellung des historischen Alten Parks.

Im Bereich des Parks befinden sich mehrere Schulen, Sportplätze, eine Reithalle, ein Freibad und ein Hotel-Restaurant

Verfasser: Wilhelm Diedenhofen, Kleve