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"Denkmal"

Presseartikel

Rheinische Post vom 3. August 2009

Kleves Denkmäler schützen

Das Stadtentwicklungskonzept empfiehlt einen Denkmalpflegeplan. Die OK hatte der Stadt vorgeworfen, keinen Interesse an Denkmälern zu haben. Der Klevische Verein kümmert sich mit Unterstützung der Stadt um die Listen.

VON MATTHIAS GRASS

INFO Stätten des Genusses

Alwine Strohmenger hofft, den einen oder anderen Beitrag zum Denkmalschutz auch in der neuen Schriftenreihe des Vereins veröffentlichen zu können. Wenn die Liste des Vereins fertig ist, wird sich zeigen, wie ernst die Stadt künftig ihre Denkmäler nimmt oder ob die Liste nur wie de Werds Buch aus den 70er Jahren eine wichtige, aber nicht geschützte Bestandsaufnahme bleibt. Der nächste Tag des Denkmals wurde unter das Motto gestellt: Stätten des Genusses. „Da wollen wir im Forstgarten an das ,Eau de Cleves' erinnern, sagt Strohmenger.

Kontakt: www.klevischer-verein.de

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Alwine Strohmenger

vor dem denkmalgeschützten Torbogen an der Burg.

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RP-Fotos (2): Gottfried Evers

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Bestimmt denkmalwert - und städtisch:

Wohnungsbau für Arbeiter an der Mozartstraße.

 

KLEVE Es ist erschreckend, wie viel Klever Geschichte allein in jüngster Zeit für immer verloren ging: Kleves Museumsdirektor Drs. Guido de Werd war mit Museumsfotografin Annegret Gossens durch die Klever Straßen gezogen, hatte Haus um Haus begutachtet und die erhaltenswerten fotografieren lassen. Heraus kam ein beim Boss - Verlag erschienenes Buch mit schützenswerten Gebäude, die die Vernichtung im Zweiten Weltkrieg überlebt hatten. Das war 1977 und wurde hoch gelobt: Zwar sei der Band kein amtliches Verzeichnis mit rechtlichen Folgen, könne aber einen Beitrag zur Bewahrung leisten, schrieb der damalige Stadtdirektor Dr. Hans-Hermann Schröer.

Nur noch Kronzeuge

Genau da aber lag die Krux. Das Buch war nicht bindend und so ist es nur noch Kronzeuge, wie man mit Denkmälern in Kleve umging: Die stattliche Landeszentralbank - abgerissen für ein Stück schäbiger Parkplatz hinter einer Mauer (zur Fußgängerzone hin!). Die Neue Kaserne - abgerissen für nichts, Freifläche. Die Häuschen entlang der Grabenzone an der Haagschen Poort - abgerissen für ein paar Parkplätze. Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen. In seinem Stadtentwicklungskonzept hat das Büro Scheuvens+Wachten jüngst dringend die Erstellung eines Denkmalpflegeplans für die Stadt empfohlen. Darum kümmert sich jetzt der Klevische Verein. Intensiv.

Die gegründete Arbeitsgruppe des Klevischen Vereins trifft sich einmal im Monat und hat erst die bestehende Liste der Klever Denkmäler aufgearbeitet. „Wir haben sie aktualisiert, die Gebäude neu beschrieben", sagt Alwine Strohmenger, Vorsitzende des Vereins und Organisatorin der Arbeitsgruppe. Sie legt ein Packen DIN-A4-Blätter vor. Durch diese städtische Liste ziehen sich wieder gelbe Balken: Schützenhaus Kleve - abgerissen für ein Stück Wiese. Ein Schrankenwärterhäuschen in Donsbrüggen - abgerissen. Das alte Haus Dorsemagen - abgerissen, weil der Holzhandel mehr Platz brauchte. Letzteres präsentiert sich fast als Treppenwitz: Alle Pläne zur Unterstadtentwicklung sehen den Wiederaufbau der erst jüngst abgerissenen Gebäude rund um Dorsemagen wieder vor...

LVR-Amt für Denkmalschutz

In der AG des Heimatvereins arbeiten Stadtarchivar Drs.Bert Thissen, die Gartenbauhistorikerin Marlene Zedelius, die Historikerin Helga Ulrich-Scheyda und nicht zuletzt Stadtführerin und Grünen-Ratsmitglied Wiltrud Schnütgen, die zu den treibenden Kräften in Sachen Denkmal gehörte, wie Alwine Strohmenger betont. Eingeladen ist Denkmalschützer Dr. Stürmer vom Denkmalamt in Brauweiler. Natürlich ist man in diesen Fragen auch eng mit de Werd und seinem Museum verbunden, sagt Strohmenger. Wenn Mitarbeiter aus Brauweiler Denkmalvorschläge besichtigen, sind Architekt und Heimatvereinsmitglied Werner van Ackeren und der Vorsitzende des Rinderner Heimatvereins Arenacum, Roland Verheyen, mit unterwegs. Die beiden unterstützen die Arbeit der AG.

Vorschläge sammeln

KLEVE (mgr) Das Amt für Denkmalschutz beim Landschaftsverband Rheinland in Brauweiler hatte - ebenso wie die Stadt Kleve - eine zu dünne Personaldecke angegeben, warum die Klever Denkmallisten nicht inventarisiert sind. „Wir haben erreicht, dass wir registriert sind - und mit unserer Arbeit anerkannt werden", sagt Strohmenger. Dazu bedurfte es der „Duldung des Bürgermeisters", wie die Vorsitzende des Klevischen Vereins sagt: Damit sind Versicherungsfragen geklärt und wird die Arbeit von der Stadt anerkannt. „Wir haben von dieser Seite die volle Unterstützung", so die Vorsitzende.

Als nächstes werden die Mitglieder der AG anhand von Grundkarten die Gebäude, Grünanlagen und die Friedhofe der Stadt begutachten und Dinge sammeln, die viellicht denkmalwürdig sind. „Das müssen ja nicht immer nur Gebäude sein, es können auch ganze Ensembles oder Details sein", sagt Strohmenger. In den monatlichen Treffen werden die Vorschläge diskutiert und letztlich diejenigen Dinge, die von der AG als denkmalwürdig anerkannt werden dem LVR-Denkmalamt vorgeschlagen.